Im Prozess um den Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke hat der Hauptangeklagte Stephan E. den tödlichen Schuss auf den deutschen Politiker gestanden. "Ich habe geschossen", sagte E. am Mittwoch vor dem Oberlandesgericht Frankfurt am Main.

E. hatte bereits kurz nach seiner Festnahme die Tat gestanden, das aber dann widerrufen und seinen mitangeklagten mutmaßlichen Komplizen Markus H. beschuldigt. Im Jänner hatte E. dann eine andere Version des Tathergangs geschildert: Er sei mit H. zu Lübckes Wohnhaus gefahren. Beide hätten den Politiker einschüchtern und bedrohen wollen. Der Schuss habe sich versehentlich gelöst, als H. die Waffe gehalten habe.

Nun bekannte sich E. erstmals vor Gericht zur Tat. Warum, war zunächst unklar. Zu Prozessbeginn hatte der Vorsitzende Richter Thomas Sagebiel die Angeklagten zu einem Geständnis aufgefordert: "Hören Sie nicht auf Ihre Verteidigung, hören Sie auf mich", sagte er. Ein frühzeitiges und von Reue getragenes Geständnis helfe immer.

Die deutsche Bundesanwaltschaft sieht bei E. eine "von Rassismus und
Fremdenfeindlichkeit getragene völkisch-nationalistische Grundhaltung"
als Motiv.

Lübcke war in der Nacht zum 2. Juni 2019 tot auf der Terrasse seines
Wohnhauses nahe der nordhessischen Stadt Kassel gefunden worden. Der Christdemokrat war zur Hassfigur der rechten Szene geworden, nachdem er bei einer Bürgerversammlung 2015 die Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland offensiv verteidigt hatte. (afp/dpa)