Russlands Präsident Wladimir Putin hat dem belarussischen Staatschef Alexander Lukaschenko militärische Hilfe zugesagt. Auf Belarus werde Druck von außen ausgeübt, erklärte das Moskauer Präsidialamt nach einem Telefonat Putins mit Lukaschenko am Sonntag. Russland sei daher bereit, im Rahmen des mit dem Nachbarland bestehenden Militärabkommens zu helfen.

Woher der Druck von außen komme, ließ Putin offen. Lukaschenko selbst warf der Nato einen Truppenaufmarsch an seiner Westgrenze vor. Panzer und Flugzeuge stünden nur 15 Minuten von der Grenze entfernt, sagte Lukaschenko vor Tausenden seiner Anhänger in Minsk. Bereits zuvor hatte er Nato-Militärübungen in Polen und Litauen kritisiert.

Am Sonntag machte Lukaschenko die weißrussische Opposition für Zwischenfälle bei Protesten nach der Präsidentenwahl am vergangenen Sonntag verantwortlich. Der 65-Jährige hatte sich zum Sieger mit großem Vorsprung erklärt. Die Opposition hält die Wahl für manipuliert, bezweifelt wird das Ergebnis auch von vielen Staaten der EU.

Lukaschenko warf Polen, der Ukraine, Litauen und Lettland vor, ihm Neuwahlen aufzwingen zu wollen. Dies würde jedoch das Ende des Staates bedeuten, sagte er. Wenn die Menschen im Land Reformen wollten, sei er bereit, mit diesen schon morgen zu beginnen.

Massenproteste in Minsk

Die Opposition hat für den Nachmittag weitere Proteste gegen den seit 26 Jahren autoritär regierenden Staatschef angekündigt. Zugleich hat es in Minsk am Sonntag erstmals eine Unterstützungskundgebung für den Präsidenten gegeben. Tausende Menschen versammelten sich am Sonntagmittag auf dem Unabhängigkeitsplatz in der Hauptstadt Minsk, wie auf Videos im Nachrichtenkanal zu sehen war.

Sie riefen "Für Lukaschenko". Viele trugen T-Shirts, auf denen "Wir sind uns einig" stand. Schätzungen gingen zunächst von 3000 Menschen auf dem Platz im Zentrum aus.

Zu der Kundgebung hatte eine Organisation aufgerufen, die den Präsidenten seit 2007 bei Wahlkämpfen unterstützt. Es sollten alle Kräfte gebündelt werden, die den Staatskurs unterstützen, hieß es in den Aufruf. In Medien hieß es, dass Staatsbedienstete zur Teilnahme gedrängt worden seien. Zuvor war auf Videos zu sehen, wie Buskolonnen in Richtung der Hauptstadt fuhren.

Ermittlungen gegen prominenten IT-Unternehmer

Der seit 26 Jahren mit harter Hand regierende Lukaschenko hatte sich bei seiner inzwischen sechsten Wahl mit gut 80 Prozent der Stimmen zum Sieger erklären lassen. Seine Gegner, die im ganzen Land demonstrieren, fragen seit Tagen, wo diese 80 Prozent seien.

Unterdessen wurde auch bekannt, dass gegen den nicht zur Wahl zugelassenen Kandidaten Waleri Zepkalo, einen prominenten IT-Unternehmer, in Belarus wegen Annahme von Bestechungsgeldern ermittelt werde, wie die Agentur Interfax meldete. Zepkalo war nach Russland geflüchtet. (apa/reuters)