Russland soll nach Angaben von Präsident Wladimir Putin eine Reservetruppe der Polizei für das Nachbarland Belarus (Weißrussland) aufbauen. Darum habe ihn Präsident Alexander Lukaschenko gebeten, sagte Putin am Donnerstag in Moskau laut Nachrichtenagentur Interfax. Lukaschenko habe aber versprochen, die Truppe nicht einzusetzen, solange die Krise nicht außer Kontrolle gerate.

Es gebe für Russland aber derzeit keine Notwendigkeit, russische Streitkräfte in Belarus einzusetzen, fügte Putin laut Agentur RIA hinzu. Er habe den Eindruck, dass sich die Lage dort normalisiert habe.

"Hybrider Krieg" gegen Weißrussland

Lukaschenko hat dem Westen einen "hybriden Krieg" gegen sein Land vorgeworfen. "Gegen Belarus hat ein diplomatischer Kampf auf allerhöchster Stufe begonnen", sagte der 65-Jährige am Donnerstag in einer vom Staatsfernsehen übertragenen Sitzung mit demonstrativ nickenden Staatsbeamten.

Es werde auf Neuwahlen bestanden und damit auf unzulässige Weise Druck auf das Land ausgeübt, sagte Lukaschenko.

Als "hybride Kriegsführung" wird in der Regel eine Kombination aus klassischen Militäreinsätzen, wirtschaftlichem Druck, Computerangriffen und Propaganda bezeichnet.

Polen: Visaerleichterung für Weißrussen

Polen hat unterdessen eine erleichterte Ausgabe von Visa an Weißrussen angekündigt. Michal Dworczyk, der Kanzleichef des polnischen Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki, erklärte dem TV-Sender Polsat am Donnerstag: "Ab morgen werden die Konsulate ... in Belarus Visa in einem vereinfachten Verfahren an alle Bürger ausgeben." Polen habe außerdem bereits damit begonnen, jenen Belarussen, die vom Regime während des Vorgehens gegen Demonstranten verletzt wurden, eine medizinische Behandlung zu ermöglichen, sagte Dworczyk. (apa, dpa, reuters)