Die autoritäre Staatsführung in Weißrussland (Belarus) geht angesichts der anhaltenden Proteste gegen Langzeit-Machthaber Alexander Lukaschenko massiv gegen Journalisten vor. Mehreren Vertretern westlicher Medien seien die Akkreditierungen entzogen worden, berichtete ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur (dpa) am Samstag in Minsk. Einige seien bereits des Landes verwiesen worden.

Medienvertreter berichteten der dpa, dass Sicherheitskräfte sie über Nacht festgehalten hätten. Die Behörden wollen damit eine Berichterstattung über die landesweiten Proteste verhindern.

Der weißrussische Journalistenverband sprach von einem massiven Entzug von Akkreditierungen auch für Medienvertreter aus Weißrussland, die für ausländische Fernseh- oder Rundfunksender, Zeitungen oder Nachrichtenagenturen arbeiteten - darunter für den britischen Sender BBC. Russische Medien berichteten, dass auch russische Journalisten bereits das Land verlassen mussten.

EU erkennt Wahl nicht an

Über den Entzug der Arbeitserlaubnis entscheidet eine Kommission für die Informationssicherheit unter anderem mit Vertretern des Verteidigungs- und des Innenministeriums und des Geheimdienstes KGB.

In Weißrussland benötigen Medienschaffende eine Akkreditierung, um dort überhaupt arbeiten zu können. Die Behörden in der früheren Sowjetrepublik hatten zuletzt Journalisten ohne diese Arbeitserlaubnis bereits am Flughafen in Minsk zurückgewiesen.

Seit der umstrittenen Wahl vor rund drei Wochen gibt es landesweit Demonstrationen gegen Lukaschenko, der den Wahlsieg mit 80,1 Prozent der Stimmen für sich beansprucht. Die EU erkennt die Wahl nicht an. Sie wird als grob gefälscht international kritisiert. Länder wie Russland und China gratulierten Lukaschenko aber zum Sieg. (apa)