Mit Schuldsprüchen für die unmittelbaren Mörder, aber einem überraschenden Freispruch für den vermuteten Drahtzieher hat der slowakische Journalistenprozess am Donnerstag ein umstrittenes Ende gefunden.

Der Unternehmer Marian Kocner wurde zwar des illegalen Waffenbesitzes schuldig gesprochen und zu einer Geldstrafe von 5.000 Euro verurteilt. Dass er den Mord am Enthüllungsjournalisten Jan Kuciak bestellt und bezahlt habe, wie die Anklage lautete, erachtete das Gericht aber nicht für bewiesen. Auch der Angeklagten Alena Zsuzsova konnte nicht zweifelsfrei bewiesen werden, dass sie in Kocners Auftrag den Mord organisiert habe. Die Staatsanwaltschaft kann gegen das Urteil noch Berufung einlegen.

Der mitangeklagte Tomas S., der den bereits geständigen Todesschützen zum Haus des Reporters gefahren hatte, wurde hingegen der Beteiligung an dem Mord schuldig gesprochen und zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt.

Angehörige geschockt

Die Entscheidung des Strafsenats in Pezinok löste bei den im Gerichtssaal anwesenden Familien der Opfer Schock aus. Sie verließen noch vor der Verlesung der Urteilsbegründung den Saal und wollten das Urteil auch später nicht kommentieren.

Premierminister Igor Matovic erklärte nach der Urteilsverkündung via Facebook: "Anscheinend wollen die offensichtlichen Hintermänner des Mordes den Fängen der Justiz entwischen... Lasst uns glauben, dass die Gerechtigkeit auf beide warten wird."

Doppelmord im Februar 2018

In dem Prozess ging es um die Ermordung des Investigativ-Journalisten Jan Kuciak und seiner Verlobten Martina Kusnirova am 21. Februar 2018. Die beiden 27-Jährigen wurden in ihrem Haus erschossen. Angeklagt waren der Unternehmer Kocner als mutmaßlicher Auftraggeber des Mordes sowie Alena Zsuzsova als mutmaßliche Organisatorin und ein nun als Mittäter schuldig gesprochener Ex-Polizist. Der Todesschütze und ein weiterer Mittäter hatten bereits zuvor Geständnisse abgelegt. (apa, red.)