Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel will die EU-Staaten davon überzeugen, sich an einer deutsch-französischen Initiative zur Aufnahme von minderjährigen Flüchtlingen aus dem niedergebrannten Lager Moria zu beteiligen. Um die Initiative habe sie der griechische Premier Kyriakos Mitsotakis gebeten, sagte Merkel am Donnerstag bei einer Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin.

Merkel sagte weiter, sie danke der EU-Kommission, die einen neuen Anlauf für die Verteilung von Flüchtlingen unternehme. Zudem werde Deutschland dem Wunsch der griechischen Regierung nachkommen, bei der Versorgung und Unterbringung der Flüchtlinge aus dem abgebrannten Lager auf der Insel Lesbos zu helfen.

Kein Wort über Verteilung

Merkel hatte am Donnerstag auch mit ihrem österreichischen Amtskollegen Sebastian Kurz (ÖVP) in einer Videokonferenz beraten. Wie es danach aus dem Bundeskanzleramt hieß, war Moria dabei kein Thema. Es sei um die Vorbereitung des außerordentlichen EU-Gipfels Ende September gewesen. Deutschland hat derzeit den EU-Ratsvorsitz inne. Damit hat Merkel neben EU-Ratspräsident Charles Michel eine besondere Koordinationsfunktion.

In Österreich drängen neben den Oppositionsparteien SPÖ und NEOS auch die mitregierenden Grünen darauf, Flüchtlinge aus Moria aufzunehmen. Die ÖVP ist jedoch strikt dagegen. Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) erteilte entsprechenden Forderungen am Mittwochabend in der "ZiB2" des ORF eine Absage und sprach von einem "Geschrei nach Verteilung". Zugleich sagte er mit Blick auf seine Kontakte mit der konservativen griechischen Regierung: "Ich habe heute dreimal mit dem griechischen Kollegen geredet, mit dem Vizepräsidenten der Kommission Schinas geredet, das Wort Verteilung oder Übernahme von Flüchtlingen oder unbegleiteten Kinder kam nicht ein einziges Mal vor, war überhaupt kein Thema bei diesen Gesprächen." (apa, reuters)