Nach wochenlanger Behandlung in der Berliner Charité hat sich der vergiftete Kreml-Kritiker Alexej Nawalny am Dienstag erstmals wieder zu Wort gemeldet. "Hi, hier ist Nawalny. Ich vermisse Euch alle", schrieb der 44-Jährige im Internetdienst Instagram und veröffentlichte dazu ein Foto von sich. "Ich kann immer noch kaum etwas machen, aber gestern konnte ich den ganzen Tag alleine atmen."

Mit Nowitschok vergiftet

Der russische Oppositionelle war am 22. August in die Charité eingeliefert worden, nachdem er zwei Tage zuvor auf einem Inlandsflug in Sibirien zusammengebrochen und ins Koma gefallen war. Am Montag hatte das Universitätsklinikum mitgeteilt, dass sich Nawalnys Zustand weiter verbessert habe. Zugleich teilte die deutsche Regierung mit, Labore in Schweden und Frankreich hätten bestätigt, dass Nawalny mit einem Kampfstoff aus der international geächteten Nowitschok-Gruppe vergiftet wurde. Nowitschok war in der Sowjetunion entwickelt worden.

Russland unterstrich am Dienstag unterdessen seine Bereitschaft zur Aufklärung des Giftanschlags. Ein Sprecher des Präsidialamtes in Moskau sagte, jeder wäre glücklich, wenn sich Nawalny wieder erholen würde. Der Kreml-Kritiker könne dann auch wieder zurück nach Russland kommen. Die russische Regierung verstehe allerdings nach wie vor nicht, warum sie keinen Zugang zu den Untersuchungsproben von Nawalny erhalte.

Russland fordert Deutschland zur Zusammenarbeit auf

Russland warnte Deutschland vor einer weiteren Politisierung. Zugleich forderte Außenminister Sergej Lawrow am Dienstag bei einem Telefonat mit seinem deutschen Kollegen Heiko Maas Berlin abermals zu einer direkten Zusammenarbeit auf.

"Wir können uns nicht mit Hinweisen auf die "Unabhängigkeit" der Justiz und die Notwendigkeit der Koordinierung mit A. Nawalny selbst oder seinen Verwandten und Vertrauten zufriedengeben", teilte das russische Außenministerium in Moskau mit. Es verwies auf entsprechende frühere Abkommen über Rechtshilfe bei Strafsachen.

Deutschland hat das Endergebnis der Untersuchung inzwischen an die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) übergeben. Dies sollte aber kein Hindernis für den Aufbau einer bilateralen Zusammenarbeit sein, so das russische Außenministerium und erklärte weiter: "Die russische Seite bestätigte ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit." Allerdings warte Moskau weiterhin auf eine Reaktion der zuständigen Behörden in Deutschland. (apa)