Der wegen dubioser Finanztransaktionen zurückgetretene Kurienkardinal Angelo Becciu hat die gegen ihn erhobenen Vorwürfe als "surreal" bezeichnet. Der 72-Jährige, dem der Vatikan Geldunterschlagung vorwirft, erklärte am Freitag bei einer Pressekonferenz in Rom, er vertraue dem Papst und der vatikanischen Justiz. "Ich bin bereit, für den Papst mein Leben zu geben", sagte Becciu.

"Bis gestern fühlte ich mich als treuer Diener des Papstes. Dann sagt mir der Papst, dass er mir nicht mehr vertraut, weil ich laut den vatikanischen Staatsanwälten Geld unterschlagen habe. Das ist surreal", meinte Becciu, der am Donnerstagabend von seinem Amt als Präfekt der vatikanischen Kongregation für Heilig- und Seligsprechungen zurückgetreten ist.

Becciu drohte mit Klagen wegen Verleumdung. "Ich hoffe, der Papst begreift, dass dies alles ein großes Missverständnis ist. Ich hoffe, der Papst lässt sich nicht manipulieren", sagte der Prälat.

700.000 Euro sollen an Brüder Becciusgeflossen sein

Nach Angaben des italienischen Nachrichtenmagazins "L ́Espresso" sollen 700.000 Euro aus dem Peterspfennig in die Taschen von drei auf Sardinien lebenden Brüder Beccius gelandet sein. So soll eine Tischlerei eines der Brüder Beccius Aufträge von ausländischen Nuntiaturen erhalten haben, um Kirchen in Angola und auf Kuba mit Bänken zu beliefern. Auch eine weitere im Gastronomiebereich tätige Gesellschaft unter Kontrolle Mario Beccius, Bruder des zurückgetretenen Kardinals, soll Geld erhalten haben.

Becciu bestritt Berichte, wonach er einer sozialen Genossenschaft seines Bruders auf Sardinien Geld aus den Vatikan-Kassen zugeschanzt habe. Er sei bereit, die im Fall ermittelnden Staatsanwälte zu treffen, um seine Lage zu klären. Er habe niemals seine Familien bereichert. Eine Verhaftung befürchte er nicht, denn er habe sich keines Verbrechens schuldig gemacht. (apa/kle)