Der britische Premierminister Boris Johnson und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen haben intensivere Brexit-Verhandlungen angekündigt. Die jeweiligen Unterhändler seien entsprechend angewiesen worden, hieß es am Samstag nach einem Telefongespräch in einer gemeinsamen Erklärung. In den vergangenen Wochen seien zwar Fortschritte beim Thema der zukünftigen Wirtschaftsbeziehungen erzielt worden. Allerdings gebe es dabei weiter "erhebliche Lücken", unter anderem bei der Fischerei. Der britische Unterhändler David Frost schrieb auf Twitter, die Arbeit werde "so bald wie möglich" in der neuen Woche beginnen.

Am Montag soll EU-Chefunterhändler Michel Barnier von Kanzlerin Angela Merkel empfangen werden. Nach dem EU-Austritt gilt bis Ende des Jahres eine Übergangsphase, in der in Großbritannien die europäische Regeln noch angewendet werden.

Es geht um ein Handelsabkommen für die Zeit nach der Brexit-Übergangsphase ab 2021. Am Freitag war die neunte Verhandlungsrunde ohne entscheidende Fortschritte zu Ende gegangen. Die Zeit wird nun extrem knapp: Johnson hatte eine Frist bis zum 15. Oktober gesetzt. Die EU sagt, ein Abkommen müssen bis 31. Oktober fertig sein, damit es noch ratifiziert werden könne.

Gleiche Wettbewerbsbedingungen

Hauptstreitpunkte in den Verhandlungen ist die Forderung der EU nach gleichen Sozial-, Umwelt- und Subventionsstandards - also gleiche Wettbewerbsbedingungen, genannt "Level Playing Field", sowie die Absicht Großbritanniens, den Zugang von EU-Fischern in seine Gewässer einzuschränken.

Unabhängig davon entbrannte jetzt auch noch ein Streit über die Einhaltung des bereits gültigen EU-Austrittsabkommens, das Johnson per Gesetz teilweise aushebeln will. Die EU sieht das als schweren Vertrauens- und Rechtsbruch - und kündigte am Donnerstag rechtliche Schritte an.

Großbritannien hat die EU am 31. Jänner verlassen. Nach Ende der Übergangsfrist scheidet das Land zum Jahresende auch aus dem Binnenmarkt und der Zollunion aus. Gelingt kein Vertrag, drohen Zölle und hohe Handelshürden. (dpa/apa/reuters)