Das EU-Mitglied Zypern hat nach massiver Kritik das Ende der Vergabe von Staatsbürgerschaften im Austausch gegen Investitionen angekündigt. Die Regierung in Nikosia habe sich in einer Dringlichkeitssitzung entschieden, die umstrittenen Programme zu den sogenannten goldenen Pässen einzustellen, sagte ein Regierungssprecher am Dienstag. Zuvor hatte sich auch die EU-Kommission besorgt über einen Bericht mit neuen Enthüllungen von Al Jazeera gezeigt.

Der Fernsehsender mit Sitz in Katar hatte berichtet, hochrangige zypriotische Beamte und Politiker würden Kriminelle aktiv bei der Bewerbung um die "goldenen Pässe" unterstützen. Reporter des Senders hatten sich als Menschen mit einschlägigem Strafregister ausgegeben und von zypriotischen Anwälten und Immobilienmaklern durch das Bewerbungsverfahren helfen lassen. Veröffentlichte Videoaufnahmen zeigen auch eine Beteiligung eines Abgeordneten sowie von Parlamentspräsident Demetris Syllouris. Dieser hat sein Amt ruhend gestellt.

Der Innen- und der Finanzminister Zyperns hätten nun unter Verweis auf "langjährige Schwächen, Missbrauch und Ausnutzung der Bestimmungen des Investitionsprogramms" dessen Abschaffung vorgeschlagen, hieß es. Die Regierung bestätigte demnach den 1. November als Enddatum.

Einnahmen in Höhe von mehr als acht Milliarden Euro

Mit der Vergabe von Pässen und Visa hatte Zypern nach der Wirtschaftskrise 2013 begonnen. Zuletzt stellten die Behörden einen Reisepass gegen eine Investition von 2,5 Millionen Euro aus. Seit 2013 nahm das Land so rund 8,25 Milliarden Euro ein.

Brüssel hat die Insel immer wieder vor einem zu laxen Umgang mit der Vergabe gewarnt. Die EU-Kommission sieht goldene Pässe oder Visa nicht nur als Sicherheitsrisiko, sondern verweist auch auf damit womöglich verbundene Geldwäsche, Korruption und Steuerhinterziehung. Neben Zypern nahm die Behörde auch Bulgarien und Malta ins Visier und prüft Vertragsverletzungsverfahren. (afp/apa)