Deutschland beklagt zu geringe Fortschritte in den jüngsten Brexit-Verhandlungen. Es gehe bei den Bemühungen um ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Großbritannien nicht wirklich substanziell voran, sagte Europa-Staatsminister Michael Roth am Dienstag in Luxemburg. "Die Zeit läuft ab." Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte, ein Abkommen sei im Interesse aller. Europa müsse sich aber auf alle Szenarien vorbereiten.

Die EU und Großbritannien verhandeln momentan über die künftigen Beziehungen zueinander. Das Vereinigte Königreich ist nach dem Brexit bis zum Jahresende in einer Übergangszeit, in der EU-Regeln noch angewendet werden. Sollten die jetzigen Gespräche keinen Kompromiss bringen, käme es doch noch zum harten Brexit, den die Wirtschaft unbedingt vermeiden will. Sie dürfte ohne Freihandelsabkommen schweren Schaden nehmen.

EU-Gipfel am Donnerstag

Der EU-Gipfel mit den europäischen Staats- und Regierungschefs soll sich am Donnerstag und Freitag auch mit dem Thema beschäftigen. Johnson will bis Mitte des Monats Klarheit haben, ob ein Deal möglich ist. Sein Sprecher sagte, Johnson habe keine Angst vor der Möglichkeit, dass es am Ende keinen Kompromiss gebe. Das habe er auch seinem Kabinett gegenüber deutlich gemacht. Für Mittwoch sind Gespräche mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen geplant.

Deutschland hatte zuvor bereits auf Zugeständnisse Großbritanniens gepocht. "Wir sind in einer sehr kritischen Phase der Verhandlungen und unter extremen Druck", so Roth. Die britische Seite müsse sich deutlich bewegen - etwa bei Regelungen für einen fairen Wettbewerb und zu den Fischerei-Fangquoten. Ein EU-Diplomat sagte Reuters, der EU-Verhandlungsführer Michel Barnier sehe an einigen Stellen Fortschritte. Sie seien aber bei weiten noch nicht ausreichend. (apa)