Während der ersten Corona-Phase von März bis Juni sind in der Europäischen Union 168.000 Todesfälle mehr als üblich verzeichnet worden. Diese Zahlen legte die EU-Statistikbehörde Eurostat am Montag in Luxemburg vor. Der Höchstwert wurde in der 14. Kalenderwoche vom 30. März bis 5. April registriert: Da gab es 36.000 zusätzliche Todesfälle.

Erfasst wurden alle Sterbefälle aus 26 EU-Staaten - für Irland fehlen Angaben -, also nicht nur Menschen, die an oder mit dem Coronavirus gestorben sind. Eurostat vergleicht die Daten der Kalenderwochen zehn bis 26 mit den Durchschnittswerten der jeweils selben Zeit 2016 bis 2019. Eine Statistik der Todesursachen werde es erst in etwa zwei Jahren geben, sagte eine Sprecherin.

Die höchsten zusätzlichen Sterbezahlen von März bis Juni verzeichnet Eurostat für Spanien, nämlich 48.000. Dahinter folgen Italien mit 46.000 und Frankreich mit 30.000. Das norditalienische Bergamo, das extrem hohe Corona-Infektionszahlen hatte, verzeichnete allein in der zwölften Kalenderwoche vom 16. bis 23. März 895 Prozent mehr Todesfälle als im Durchschnitt der vorangegangenen Jahre.

Die Zahl der bestätigten Ansteckungen steigt unterdessen quer durch die EU weiter. In der vergangenen Woche schoss sie um 44 Prozent in die Höhe. Europaweit wurden mittlerweile bereits rund 7,4 Millionen Infektionen nachgewiesen. Am Sonntag überstieg die Zahl der Corona-Toten auf dem Kontinent die Marke von 250.000 Fällen.

Einen erneuten wirtschaftsschädigenden landesweiten Lockdown wollen die Regierungen dennoch mit aller Kraft vermeiden. Doch ergreifen sie wieder verschärfte Maßnahmen.

Wie ab dem Wochenende in Paris und weiteren französischen Städten sowie in Belgien ab Montag gilt in Slowenien ab Dienstag eine nächtliche Ausgangssperre - von 21 bis 6 Uhr. Präsenzunterricht findet nur noch für Volksschüler statt. Italien führte eine Sperrstunde ab Mitternacht und die Schweiz eine Maskenpflicht in öffentlichen Räumen ein.

Spitäler an ihrer Grenze

Im britischen Landesteil Wales wiederum soll am Freitag ein zweiwöchiger Lockdown beginnen. Nur dringend benötigte Arbeitskräfte dürfen dann ihr Zuhause verlassen, Treffen mit Menschen außerhalb des eigenen Haushalts sind lediglich Alleinlebenden und Alleinerziehenden gestattet.

Ohne den Lockdown werde der nationale Gesundheitsdienst NHS die vielen Covid-19-Patienten nicht mehr angemessen behandeln können, betonte der walisische Regierungschef Mark Drakeford. Mit fast 47.000 Corona-Toten weist Großbritannien die höchste Opferzahl Europas auf.

In Teilen des Landes erreichen die Krankenhäuser bereits ihre Kapazitätsgrenze. So können im Großraum Manchester die ersten Kliniken keine Covid-19-Patienten mehr aufnehmen. Zwölf Spitäler seien bereits voll, zitierte die Zeitung "The Guardian" aus einem internen NHS-Dokument. Auch in Liverpool stießen einige Spitäler an ihre Grenzen.

Manche Regierungen lassen nun Feldkrankenhäuser errichten. Dazu gehört das Kabinett in Prag sowie jenes in Warschau. Teile des Nationalstadions in der polnischen Hauptstadt sollen zu einem Corona-Lazarett umfunktioniert werden. Ab Ende der Woche sollen dort rund 500 Betten, davon 50 Intensivbetten, für Covid-19-Patienten bereitstehen. (dpa/afp/apa)