Die Hilfsorganisation Oxfam kritisiert die Zustände im neuen Zeltlager für Flüchtlinge auf der griechischen Insel Lesbos. Fast 8.000 Menschen, die meisten von ihnen Familien mit Kindern, lebten dort trotz des nahenden Winterwetters in Sommerzelten, teilte Oxfam am Dienstag in Brüssel mit.

Die Organisation hatte gemeinsam mit dem "Greek Council for Refugees" Mitarbeiter entsandt, um das Lager zu prüfen, das nach dem Brand des ursprünglichen Auffanglagers Moria im September provisorisch errichtet worden war. Das neue Lager "Moria 2.0" sei schlimmer, als Moria es jemals war, lautete das Fazit der Flüchtlingshelfer.

Manche der Zelte seien nur 20 Meter vom Meer aufgestellt und hätten keinen Schutz vor starkem Wind und Regen, hieß es. Essen für die Menschen gebe es nur ein oder zwei Mal am Tag, es sei nicht genug und zudem von schlechter Qualität. Auch gebe es kaum sanitäre Anlagen mit fließendem Wasser, so dass viele Lagerbewohner sich im Meer waschen müssten. Die Corona-Vorsorgemaßnahmen seien ebenso wenig ausreichend wie der Zugang zu Gesundheitsversorgung. Außerdem gebe es auf dem ehemaligen militärischen Schießübungsplatz kein Abwassersystem.

Die Hilfsorganisationen appellieren an die EU-Staaten, Flüchtlinge von den griechischen Inseln aufzunehmen. Auch müsse die EU Griechenland und die Hilfsorganisationen dabei unterstützen, die Lager anständig auszustatten. Griechenland selbst wiederum solle die Menschen so schnell wie möglich aufs Festland holen und in angemessenen Unterkünften unterbringen. Bei ersten Regenfällen im Oktober hatten bereits etliche Zelte im Lager unter Wasser gestanden.

"Courage": Quartiere für 3.188 Menschen

Die Initiative "Courage - Mut zur Menschlichkeit" hat nach eigenen Angaben Zusagen für Quartiere erhalten, die die Aufnahme von 3.188 Menschen aus griechischen Flüchtlingslagern ermöglichen würden. Außerdem haben sich laut einer Aussendung über 500 Helferinnen und Helfer sowie 2.500 Unterstützer gemeldet. Initiatorin Katharina Stemberger fordert die Regierung daher auf, "nicht länger vorsätzlich die Rettung von Menschen aus der Lagerhölle von Lesbos zu verhindern".

"Die Lage auf Lesbos spitzt sich immer weiter zu, denn der Winter auf den griechischen Inseln ist kalt, nass und windig. Die Zustände dort sind lebensbedrohlich", kritisierte Stemberger. Österreich trage nicht nur aufgrund seiner unterlassenen Hilfeleistung Mitschuld an dieser Situation, sondern auch als "Scharfmacher". Auch die Caritas hat zuletzt darauf hingewiesen, dass die Flüchtlingszelte auf Lesbos nicht winterfest seien. Laut Ärzte ohne Grenzen fehlen auch sauberes Trinkwasser, Nahrung und medizinische Versorgung. Und auf Samos habe man sogar Kinder wegen Rattenbissen behandeln müssen.

Besonders viele Quartier-Zusagen meldet die Initiative "Courage" aus Oberösterreich (998), Tirol (538), Kärnten (471), Vorarlberg (449) und Wien (325). Aus der Steiermark wurden 285, aus dem Burgenland 60, aus Salzburg 42 und aus Niederösterreich 20 Quartiere gemeldet. Nicht eingerechnet seien dabei leer stehende Unterkünfte des Bundes wie in Steinhaus am Semmering, wo wegen eines Kündigungsverzichts bis 2029 45.000 Euro Monatsmiete für ein ungenutztes Gebäude anfallen, betonte "Courage".

Beteiligt haben sich den Angaben zufolge Organisationen, Religionsgemeinschaften, Gemeinden und Privatpersonen. Außerdem seien Helfer bereit, Deutschkurse, Freizeitangebote und Lernhilfen zu organisieren. Darunter seien auch viele Personen, die schon seit 2015 Erfahrung im Umgang mit geflüchteten Menschen haben oder ehemalige Flüchtlinge, die sich nun engagieren wollen. (apa, dpa)