London. Der frühere britische Labour-Vorsitzende Jeremy Corbyn ist am Donnerstag von seiner Partei ausgeschlossen worden. Das teilte ein Sprecher mit. Ein Untersuchungsbericht hatte kurz zuvor festgestellt, dass die Gruppierung und ihr Ex-Chef antisemitische Tendenzen zugelassen hätten.

Es habe Schikanen und Diskriminierungen gegeben, teilte die britische Kommission für Gleichheit und Menschenrechte (EHRC) in London mit. Es habe "unentschuldbare Fehler" gegeben, die auf einen Mangel an Bereitschaft zur Bekämpfung des Antisemitismus zurückzuführen seien, sagte die Vorsitzende der unabhängigen Kommission, Caroline Waters.

Besonders in der Kritik steht in dem Bericht der Alt-Linke Corbyn, der von 2015 bis 2020 an der Spitze der Partei stand. Im April wurde der 71-Jährige von Keir Starmer abgelöst.

Corbyn wollte nicht alle Vorwürfe gelten lassen. Er sei "immer entschlossen gewesen, alle Formen des Rassismus zu beseitigen". Er bedauere aber, dass der Wandel so lange gedauert habe. Sein Nachfolger Starmer sprach von einem "Tag der Schande" für Labour. Die Partei muss nun binnen sechs Wochen einen Aktionsplan vorlegen.

Seit Jahren werfen Kritiker den britischen Sozialdemokraten antisemitische Tendenzen - etwa in Beiträgen in sozialen Medien - vor. Mehrere Abgeordnete verließen aus Protest die Gruppierung. 2018 räumte Corbyn ein, dass Disziplinarverfahren gegen antisemitische Parteimitglieder zu langsam und zaghaft betrieben worden seien.

Unterstützung für Palästina

Der Vorsitzende stand auch selbst häufig im Zentrum von Vorwürfen. So hatte er sich geweigert, sich bei Juden für antisemitische Tendenzen in seiner Partei zu entschuldigen. Kritiker hielten dem Linken auch eine einseitige Unterstützung der Palästinenser im Nahostkonflikt vor. Noch bevor er Labour-Chef wurde, bezeichnete Corbyn laut britischen Medien die im Gazastreifen herrschende Hamas, die unter anderem von der Europäischen Union als Terrororganisation eingestuft wird, als "Freunde".