Zwei Tage nach dem Messerangriff von Nizza mit drei Toten befinden sich mittlerweile drei Personen in polizeilichem Gewahrsam. Das verlautete am Samstag aus Polizeikreisen. Der mutmaßliche Täter wurde nach dem Angriff von Polizeikugeln getroffen und befindet sich derzeit in kritischem Zustand im Krankenhaus. Er hatte am Donnerstag in Nizza in einer Kirche eine Frau enthauptet und zwei weitere Menschen getötet. Die französische Regierung geht von einem islamistischen Motiv aus. Nach Angaben der Terrorermittler handelt es sich um einen 1999 geborenen Tunesier, der am 20. September mit seiner Ankunft auf der italienischen Insel Lampedusa nach Europa gelangt war.

Am Donnerstagabend wurde Justizkreisen zufolge ein 47-jähriger Mann festgenommen, der Kontakt zum Attentäter gehabt haben soll. Am Freitag wurde ferner ein 35-jähriger festgenommen, der sich am Vortag des Angriffs mit dem Attentäter getroffen haben soll. Die dritte Festnahme sei unmittelbar im Anschluss erfolgt, hieß es aus Polizeikreisen. Details zur Person lagen zunächst nicht vor.

Zwei Messer und ein Koran

Bei dem Anschlag am Donnerstag in der Basilika Notre-Dame wurden ein 54-jähriger Mann sowie eine 60-jährige Frau getötet. Eine zweite Frau konnte verletzt in eine Bar flüchten, die 44-jährige Brasilianerin erlag dort aber ihren Verletzungen. Laut der Anti-Terror-Staatsanwaltschaft schlitzte der Angreifer dem Mann und der 60-Jährigen die Kehlen durch. Demnach nutzte der Täter dafür ein 30 Zentimeter langes Messer mit einer 17 Zentimeter langen Klinge.

In seiner Tasche fanden die Ermittler zwei weitere Messer, zwei Handys sowie einen Koran. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angreifer noch viel mehr Menschen töten wollte. Sie ermittelt wegen Mordes im Zusammenhang "mit einer terroristischen Tat".

Der mutmaßliche Täter war erst vor kurzem aus Italien nach Frankreich eingereist. Einer mit den Ermittlungen vertrauten Quelle zufolge gehen die Behörden davon aus, dass Aouissaoui nicht länger als 48 Stunden vor dem Anschlag in Nizza eintraf. Einer weiteren Quelle zufolge ist noch unklar, was den 21-Jährigen konkret zur der Tat verleitete.

"Das ist nicht normal"

Aouissaoui stammt aus einer kinderreichen Familie in der tunesischen Küstenstadt Sfax. Seine Familie kann kaum glauben, dass er der Täter sein könnte. "Das ist nicht normal", sagte sein Bruder. Andere Verwandte sagten dagegen, der 21-Jährige habe sich zuletzt zurückgezogen. Die Mutter berichtete: "Er betete, ging zur Arbeit, kam zurück. Mit anderen traf er sich nicht und verließ sonst auch nicht das Haus."

Laut Nizzas Bürgermeister Christian Estrosi rief der Angreifer mehrfach "Allahu Akbar" (Gott ist groß), bevor ihn die Polizei mit Schüssen verletzte und festnahm. Nach Angaben aus Ermittlerkreisen war er bis Freitagabend noch nicht wieder bei Bewusstsein. Auch die Behörden in Tunesien eröffneten eine Untersuchung und kündigten an, die französischen Behörden zu unterstützen.

Laut Frankreichs Innenminister Gerald Darmanin stand Aouissaoui "auf keiner unserer Überwachungslisten, weder auf der französischen noch auf der europäischen." Der Minister wiederholte am Freitag, Frankreich befinde sich "im Krieg mit dem islamistischen Extremismus."

Tausende Einsatzkräfte

Darmanin kündigte zudem an, tausende zusätzliche Einsatzkräfte auf die Straße zu schicken, um die Sicherheit in Frankreich zu gewährleisten. Demnach werden 3500 Reservepolizisten mobilisiert, damit insgesamt 7000 Sicherheitskräfte den lokalen Behörden zur Verfügung stehen. Insbesondere Schulen und Kirchen sollen besser geschützt werden.

Das französische Außenministerium warnte seine Bürger vor weltweiten Anschlägen. "Die Bedrohung ist überall", sagte Außenminister Jean-Yves Le Drian am Freitag nach einer Sitzung des Sicherheitskabinetts unter Leitung von Präsident Emmanuel Macron. Dem Anschlag vorausgegangen waren massive Drohungen und Proteste gegen Frankreich in muslimischen Ländern.

Erst am Donnerstag hatte es der frühere malaysische Regierungschef Mahathir Mohamad als legitim bezeichnet, "Millionen von Franzosen zu töten". Er begründete dies mit französischen "Massakern" der Kolonialzeit. Auf Druck der französischen Regierung löschte Twitter die Kurzbotschaften Mahathirs. (afp/apa)