Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Belgien - wie Österreich haben etliche europäische Länder wieder härtere Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus ergriffen. Tschechien hat den Ausnahmezustand verlängert, Portugal will einen solchen verhängen. In Frankreich werden die Kontrollen der Ausgangsbeschränkungen verschärft, in Italien könnten diese ausgedehnt werden.

Und immer mehr Politiker weisen darauf hin, dass die Restriktionen länger als bisher angenommen dauern könnten. Die britische Regierung hofft zwar, dass der nun verhängte Lockdown im Dezember beendet werden kann, allerdings gibt es auch dort Befürchtungen, dass die Infektionszahlen nicht dafür sprechen werden. In Deutschland schloss Finanzminister Olaf Scholz Beschränkungen für längere Zeit nicht aus. Diese werde es immer geben, "solange die Zahlen nicht sinken". In Tschechien war sogar von Weihnachten die Rede. Solange könnte der Notstand dort dauern, räumte Innenminister Jan Hamacek ein. Die Rückkehr zur Normalität sei keine Frage von Tagen, sondern von Wochen und Monaten.

Massentests in Slowakei

Dennoch sind in einigen Ländern die Maßnahmen nicht so umfassend wie beim ersten Lockdown im März, was vor allem wirtschaftlichen Überlegungen geschuldet ist. So bleiben in Deutschland - wie in Österreich - die Geschäfte geöffnet. So gut wie alle Regierungen wollen auch Kindergärten und zumindest Volksschulen offen lassen. Die meisten Unternehmen sollen weiter arbeiten dürfen. Außerdem sind die Restriktionen auf vier Wochen beschränkt - wenn sie auch verlängert werden können.

Gleichzeitig wächst aber der Unmut über die Beschränkungen. Quer durch Italien beispielsweise hat es in der Vorwoche Protestaktionen gegeben. Auch am Montag kritisierten Restaurantbesitzer und Beschäftigte in der Gastronomie die frühen Sperrstunden. In Athen gingen Menschen auf die Straßen, um Unterstützung für die Gastronomie- und Tourismusbranche zu fordern. Die griechische Regierung hatte nämlich zweiwöchige Lockdowns ab heute, Dienstag, für die Regionen Thessaloniki und Serres im Norden des Landes angekündigt. Damit wird unter anderem der Flugverkehr von und nach Thessaloniki lahmgelegt. Zudem tritt im ganzen Land eine Ausweitung der nächtlichen Ausgangssperren sowie der Schließungen von Restaurants und Bars in Kraft.

In Großbritannien wird der Widerspruch auch auf die politische Bühne gehoben. Der prominente Verfechter des EU-Austritts des Landes, Nigel Farage, will seine Brexit-Partei zur Anti-Lockdown-Partei umwandeln. Die neue Gruppierung solle künftig den Namen "Reform UK" tragen, schreibt Farage in einem Beitrag für die Zeitung "The Telegraph". Die Bewegung stehe für einen "fokussierten Schutz" nur für die in der Coronavirus-Pandemie am stärksten gefährdeten Personen. (reu/dpa/apa)

In der Slowakei wurde in der Zwischenzeit ein Großteil der Bevölkerung auf das Coronavirus getestet. Mehr als 3,6 Millionen Menschen aus dem Land mit seinen 5,5 Millionen Einwohnern haben an der Aktion am Wochenende teilgenommen. 1,06 Prozent der Personen wurden dabei positiv getestet, teilte Premierminister Igor Matovic mit.