Nach einer schnellen Zunahme der Corona-Infektionen in Schweden kündigt Ministerpräsident Stefan Löfven strengere Maßnahmen in drei weiteren Regionen des skandinavischen Landes an. Die Lage sei "sehr ernst", sagte er auf einer Pressekonferenz. Mehr und mehr Intensivbetten würden nun zur Behandlung von Covid-19-Patienten genutzt. "Die Pause, die wir diesen Sommer hatten, ist vorbei", erklärte Löfven. Feiern in Restaurants würden auf acht Personen beschränkt. Schon zuvor gab es im Süden des Landes die Empfehlung, soziale Kontakte stark einzuschränken und etwa öffentliche Verkehrsmittel oder Kulturveranstaltungen zu meiden.

Seit Tagen verzeichnet Schweden einen Höchstwert an Neuinfektionen nach dem anderen. Am Dienstag meldete es 10.177 Ansteckungen, die seit Freitag nachgewiesen wurden. Insgesamt sind damit mehr als 134.500 Corona-Fälle registriert worden. Die Zahl der in Verbindung mit einer Infektion stehenden Todesfälle stieg auf nunmehr 5.969.

Bereits in der Vorwoche erklärte Staatsepidemiologe Anders Tegnell auf einer Pressekonferenz: "Wir nähern uns allmählich der Obergrenze dessen, was das Gesundheitssystem verkraften kann." Frankreich, Belgien und Tschechien meldeten bereits, dass viele Krankenhäuser wieder am Limit arbeiten.

 Gleichzeitig wies Tegnell auf einen weiteren Umstand hin. Es könne zwar so aussehen, als habe Schweden mehr Fälle als im Frühjahr. Das stimme jedoch nicht. Die Ausbreitung in der Bevölkerung sei damals um ein Vielfaches größer gewesen, allerdings habe es damals nicht im Geringsten dieselben Kapazitäten zum Testen gegeben wie jetzt.

Im Frühjahr hatte das Land deutlich höhere Infektions- und Todeszahlen verzeichnet als der Rest Skandinaviens. Der derzeitige Wert der Neuinfektionen liegt im Vergleich auf die Bevölkerungszahl heruntergerechnet aber niedriger als in anderen Teilen Europas.

Viel beachteter Sonderweg

Schweden ist in der Corona-Krise einen viel beachteten Sonderweg mit weniger strikten Beschränkungen des öffentlichen Lebens gegangen. Die erlassenen Maßnahmen waren weniger rigid als in den meisten anderen Ländern Europas, dafür setzten Regierung und Behörden in dem skandinavischen EU-Land vor allem auf eindringliche Empfehlungen und die Vernunft der Bürger.

Auch die aktuellen Restriktionen sind mehr Richtlinien denn Vorschriften. Sie umfassen nun mehr als zwei Drittel der gut zehn Millionen Schweden. (reu/dpa)