Der italienische Regierungschef Giuseppe Conte hat in der Nacht auf Mittwoch neue restriktive Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus beschlossen. Er unterzeichnete eine Verordnung, die ab Donnerstag in Kraft tritt und bis zum 3. Dezember gültig sein wird. Kernelement des neuen Dekrets ist eine italienweit geltende Ausgangssperre von 22 bis 5 Uhr. Bisher hatten lediglich einige Regionen nächtliche Ausgangssperren eingeführt.

Museen und Ausstellungen werden geschlossen. Für öffentliche Transportmittel wird eine Obergrenze eingeführt, nach der nur die Hälfte der Plätze besetzt werden darf. Einkaufszentren sind am Wochenende geschlossen. Lebensmittelläden, Apotheken und Zeitungskiosken bleiben offen. Home-Office wird in höchstem Ausmaß ausgedehnt. Schüler ab sechs Jahren werden in den Klassen immer Nasen- und Mundschutz tragen müssen. Der Präsenzunterricht in höheren Schulen soll weiter eingeschränkt und auf Online-Lektionen umgestellt werden.

Neue Strategie

Im Kampf gegen die zweite Corona-Welle setzt die Regierung auf eine neue Strategie mit drei Risikozonen. Damit will das Kabinett gezielter auf unterschiedliche Corona-Situationen in den Regionen mit höheren Infektionszahlen reagieren und dem Land einen gesamtstaatlichen Lockdown wie im März und April ersparen.

Die 20 italienischen Regionen sollen aufgrund des Reproduktionsfaktors und anderer 21 Parameter in rote, orange, oder grüne Zonen aufgeteilt werden. Maßstab sind die wissenschaftlichen Kriterien zum Infektionsgeschehen, wie die Zahl der Patienten in den Krankenhäusern und auf den Intensivstationen, Infektionsherde, Zahl der Infizierten in Seniorenheimen und der Patienten mit Symptomen in Heimisolierung.

"Rote Zonen"

In den "roten Zonen", zu denen derzeit Südtirol, das Aostatal, Piemont, Lombardei und Kalabrien zählen, soll es zu Einschränkungen bei der Reisefreiheit kommen. Bürger sollen ihre Wohnungen lediglich aus beruflichen, oder gesundheitlichen Gründen verlassen dürfen, oder weil sie ihre Kinder in die Schule begleiten müssen. Fabriken und andere Industriebetriebe sollen offen bleiben. Fitnesszentren werden geschlossen. Sport kann nur unweit der eigenen Wohnung betrieben werden, allerdings muss ein Abstand von einem Meter eingehalten werden.

In "roten Zonen" werden alle Geschäfte, die keine lebenserhaltende Dienstleistungen sichern, geschlossen werden. Dies gilt unter anderem für Friseure und Schönheitssalons. Alle Lokale bleiben den ganzen Tag lang geschlossen. Lediglich Lieferdienste und Take Away sind erlaubt. Die Maßnahmen bleiben in den roten Zonen mindestens zwei Wochen lang in Kraft.

In Italien ist die Zahl der Coronavirus-Neuinfektionen laut Gesundheitsministerium am Dienstag bei 28.244 gelegen - nach 22.253 am Montag. Auch gab es 353 Todesfälle, so viele wie seit Mai nicht mehr. Die Zahl der verstorbenen Infizierten in Italien seit Beginn der Epidemie im Februar stieg somit auf 39.412. Innerhalb von 24 Stunden wurden 182.287 Tests durchgeführt. (apa)