Brüssel. Der Vertrag ist seit Mittwoch unter Dach und Fach. Mit der Liefervereinbarung zwischen der EU-Kommission und den Pharmaunternehmen BioNTech sowie Pfizer hat sich die Europäische Union bis zu 300 Millionen Dosen des Corona-Impfstoffs der beiden Hersteller gesichert. Der Vertrag sieht den Kauf von zunächst 200 Millionen Dosen vor sowie wie geplant eine Option auf weitere 100 Millionen Stück. Wenn der Impfstoff zugelassen wird, soll die Auslieferung voraussichtlich noch Ende dieses Jahres beginnen, verkündete Pfizer. "Das bringt uns einer nachhaltigen Lösung der Pandemie näher", sagte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.

Ihre Behörde hatte bereits mit einer Reihe von anderen Pharmakonzernen Liefervereinbarungen über Millionen Corona-Impfdosen unterschrieben. Dazu gehören AstraZeneca, Sanofi/GlaxoSmithKline sowie Johnson & Johnson. Doch waren es die Mainzer Biotechfirma BioNTech und ihr US-Partner Pfizer, die am Montag als erste Unternehmen positive Ergebnisse aus einer entscheidenden Studie mit einem Corona-Impfstoff verkündet haben. Demnach bot ihre Impfung einen mehr als 90-prozentigen Schutz vor Covid-19. Weltweit hat diese Nachricht für Euphorie und an den Börsen für ein Kursfeuerwerk gesorgt.

Die Impfstofftranche für die EU soll in den Produktionsstätten von BioNTech in Deutschland sowie in Pfizers Werken in Belgien hergestellt werden. Die beiden Partner gehen davon aus, weltweit rund 1,3 Milliarden Dosen bis Ende 2021 liefern zu können. Dabei bekommt Deutschland nicht nur aus dem EU-Vertrag Impfstoffdosen von BioNTech, sondern auch über eine bilaterale Vereinbarung im Rahmen der Forschungsförderung. Der Konzern erhält im Rahmen eines Sonderprogramms des Forschungsministeriums in Berlin bis zu 375 Millionen Euro vom Bund.

Ansonsten bekommen alle EU-Staaten zur gleichen Zeit den gleichen Anteil der Vakzine, kündigte von der Leyen an. Der Impfstoff soll nach Bevölkerungsstärke verteilt werden, was für Österreich etwa zwei Prozent der verfügbaren Dosen ausmachen würde, also rund sechs Millionen Stück.

BioNTech und Pfizer wollen aber auch in den USA schnell tätig werden: Noch im November möchten sie dort eine Notfallgenehmigung für ihre Vakzine beantragen. Der Einreichungsprozess bei der Europäischen Arzneimittelagentur EMA hingegen wurde schon im Oktober gestartet. Bisher ist international noch kein Impfstoff gegen das Coronavirus, an dem weltweit mehr als 1,27 Millionen Menschen gestorben sind, auf dem Markt. Ein solcher wird als entscheidend angesehen, um die Pandemie zu beenden.

Anschober: Impfung wohl ab erstem Quartal 2021

In Österreich zeigte sich Gesundheitsminister Rudolf Anschober optimistisch, im ersten Quartal 2021 Risikogruppen und Gesundheitsmitarbeiter gegen das Coronavirus impfen zu können. "Ich gehe davon aus, dass die weitere interessierte Bevölkerung dann ab dem zweiten Quartal schrittweise geimpft werden kann. Dafür bereiten wir derzeit die Impflogistik vor", erläuterte er in einer Aussendung.

Zuerst sollen jene Personen an der Reihe sein, bei denen das größte persönliche beziehungsweise systemische Risiko besteht, erfuhr die Austria Presseagentur aus dem Ministerium. Es gehe einerseits um das Personal in den Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen, andererseits um jene Menschen, die ein persönliches Risiko haben, einen schweren Krankheitsverlauf zu erleiden oder an einer Covid-19 Infektion zu sterben.

"Wir werden einen niederschwelligen Zugang zur Covid-19-Impfung schaffen", hieß es weiter. Voraussichtlich werde nicht nur an den gewohnten Stellen geimpft werden, sondern beispielsweise auch durch mobile Teams.

Die genaue Impfstrategie ist in Österreich noch in Vorbereitung - ebenso wie die Logistik. Diese stellt aber auch die Pharmakonzerne selbst vor eine große Herausforderung. Denn der Impfstoff muss bei einer Temperatur von minus 70 Grad Celsius transportiert und kann nicht lange im Kühlschrank gelagert werden. Nach Angaben von BioNTech werde weiter daran geforscht, bei welcher Temperatur die Vakzine wie lange haltbar bleibe.(reu/apa)