Aufgrund der anhaltenden Polizeigewalt gegen Demonstranten in Weißrussland (Belarus) hat die Europäische Union dem Land mit weiteren Sanktionen gedroht. Dies geht aus einer Stellungnahme eines Sprechers des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell vom Freitag hervor. Die EU reagierte damit auf Berichte, denen zufolge ein 31-jähriger Mann, Roman Bondarenko, am Donnerstag infolge schwerer Verletzungen, die die weißrussische Polizei ihm zugefügt haben soll, verstorben ist.

In der Ex-Sowjetrepublik gibt es seit der Präsidentenwahl am 9. August Proteste und Streiks gegen den autoritären Staatschef Alexander Lukaschenko, der bereits seit 26 Jahren an der Macht ist. Gegen Lukaschenko und Personen aus seinem Umfeld hat die EU bereits Sanktionen verhängt.

Der Borrell-Sprecher beschrieb den Tod Bondarenkos als "beschämend" und warf den Machthabern vor, die eigene Bevölkerung gewaltsam zu unterdrücken. Lukaschenko wird von der EU nicht als Präsident anerkannt. Unterstützt wird er aber aus Russland.

Außenminister Alexander Schallenberg bezeichnete auf Twitter die jüngsten Berichte über Opfer von Polizeigewalt in Weißrussland als "schockierend". Er forderte, alle "derartigen Handlungen" zu untersuchen und die "Täter zur Rechenschaft" zu ziehen. "Die Unterdrückung der Zivilgesellschaft muss sofort aufhören."

Zuvor hatte bereits die Bürgerrechtlerin Swetlana Tichanowskaja die EU aufgefordert, den Druck auf Machthaber Alexander Lukaschenko zu versärken. Der Machtapparat gehe mit brutaler Gewalt gegen Andersdenkende vor, sagte die 38-Jährige in der lettischen Hauptstadt Riga am Freitag.

Sie hatte selbst wegen politischer Verfolgung nach der Präsidentenwahl am 9. August das Land verlassen und lebt seither im Exil in der EU. Die Demokratiebewegung in Weißrussland sieht sie als Siegerin der Präsidentenwahl an.

Auch sie warf dem Regime vor, Bondarenko ermordet zu haben. "Roman Bondarenko ist ein Held, ein unschuldiges Opfer eines furchtbaren Regimes", sagte Tichanowskaja.

In Minsk gab es am Freitag eine Schweigeminute für den Toten. Bondarenko sei Angehöriger einer Spezialeinheit gewesen, soll sich aber der Demokratiebewegung angeschlossen haben, hieß es.

Nach offiziellen Angaben hatten Polizisten am Mittwoch im Zentrum von Minsk in einen Streit am Rande einer Demonstration eingegriffen und Bondarenko festgenommen. Bondarenko habe bereits zum Zeitpunkt seiner Festnahme Körperverletzungen aufgewiesen und sei auch alkoholisiert gewesen, hieß es. Der Fall werde untersucht. (apa,afp)