Die Hälfte der Weltbevölkerung hat im Laufe ihres Lebens im Schnitt 2.535 Tage lang ihre Periode. Das ist eine Menstruation von knapp sieben Jahren.

Dass Fortpflanzung der menschlichen Spezies nur über die Gebärmutter und deren Schleimhäute funktioniert, darf als bekannt vorausgesetzt werden. Weniger bekannt ist vielleleicht, dass sich die oberste Schicht dieser Schleimhäute Monat für Monat erneuern muss - um für die Fortpflanzung und den Erhalt unserer Spezies bereit zu bleiben. Die Blutung, die dieser Zyklus mit sich bringt, wird aber in der modernen Gesellschaft noch immer als ein Problem angesehen - und es ist auch allein ein Problem von Frauen.

Dabei existieren auf der Welt Unterschiede in Sachen Stigmata. In Nepal werden Frauen zur Zeit der Blutung zum Teil aus dem Haus ausgesperrt, auch wenn dieser Brauch schon verboten ist.

Was aber überall auf der Welt weiterhin der Fall ist: Eine Periode zu haben, ist teuer. Weibliche Hygieneprodukte, wie der Euphemismus für Tampons, Binden und Tassen lautet, gibt es nun einmal nicht gratis.

Oder doch? Es ist zumindest möglich: Mit Dienstagabend wurde Schottland das erste Land der Welt, das Periodenprodukte kostenlos zur Verfügung stellt. Damit baut das Land schon ein bisheriges Gesetz von 2017 aus, wonach Schulen und Universitäten kostenlose Hygieneprodukte auf den Toiletten zur Verfügung stellen - jetzt soll das auf alle öffentlichen Gebäude und noch mehr ausgeweitet werden.

In Schottland haben Studien gezeigt, dass die sogenannte Perioden-Armut - die Schwierigkeit, für Hygieneprodukte finanziell aufzukommen - zuletzt in der Corona-Zeit zugenommen hat. Für fast jede fünfte Frau bedeutet die Bereitstellung dieser finanziellen Ressourcen einen empfindlichen Kraftakt - rund 13 Pfund werden dafür im Monat benötigt. Finanziell schwache Frauen kämpfen dann mit Zeitungspapier, alten Socken und T-Shirts gegen ihre Blutung an, oder sie verwenden Tampons länger, als medizinisch gesund ist.

Die kostenlose Bereitstellung wird den Staat rund 8,7 Millionen Pfund im Jahr kosten. In Schottland wurden zuletzt dank der Enttabuisierung immer häufiger auch in privaten Unternehmen, Pubs und sogar in Fußballclubs kostenlose Hygieneartikel auf der Toilette angetroffen.


Neuseeland hat im Juni im Kampf gegen Kinderarmut ebenfalls beschlossen, dass Schülerinnen in den Schulen mit kostenlosen Menstruationsartikeln versorgt werden. Denn, so wurde herausgefunden, fast 95.000 Mädchen im Alter von neun bis 18 Jahren könnten sonst während ihrer Tage dem Unterricht fernbleiben, weil sie sich die Produkte nicht leisten können.

Österreich wartet ab

In Österreich hat die türkis-grüne Regierung im Regierungsprogramm theoretisch festgeschrieben, dass zumindest die Luxussteuer von 20 Prozent auf Hygieneartikel gesenkt werden soll. Doch dann kam Corona und es blieb einiges liegen. So auch das. Trotzdem: Die Umsatzsteuersenkung auf Menstruationsartikel "muss jetzt so schnell wie möglich umgesetzt werden", erklärt etwa die Frauensprecherin der Grünen, Meri Disoski. "Es kann nicht sein, dass mehr als 50 Prozent der Bevölkerung Luxussteuer auf ein so basales Grundbedürfnis zahlen." Andere Länder, etwa Deutschland, haben die Steuer längst gesenkt. (wak/mad)