Mehr als vier Jahre nach dem Putschversuch in der Türkei sind im Hauptverfahren mehrere Angeklagte zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt worden. Offiziere und Piloten vom Luftwaffenstützpunkt Akinci in der Nähe von Ankara wurden am Donnerstag schuldig gesprochen, den gescheiterten Staatsstreich geleitet, das Parlament und andere Regierungsgebäude beschossen zu haben sowie des Versuchs, Präsident Recep Tayyip Erdogan zu töten.

Vier Angeklagte erhielten der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge als Rädelsführer 79 verschärfte lebenslange Haftstrafen. Sie seien als "zivile Imame" bezeichnet worden wegen ihrer Verbindungen zu dem in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen, den die Regierung in Ankara hinter dem Putschversuch vermutet.

500 Angeklagte

In dem Prozess gibt es fast 500 Angeklagte. Es ist das bekannteste von Dutzenden Gerichtsverfahren im Zusammenhang mit dem Putsch, bei dem am 15. Juli 2016 mehr als 250 Menschen getötet wurden. Rebellierende Soldaten hatten mit Kampfflugzeugen, Hubschraubern und Panzern versucht, die Kontrolle über die staatlichen Institutionen zu übernehmen und Erdogan zu stürzen. Insgesamt seien rund 292.000 Menschen wegen angeblicher Verbindungen zu Gülen festgenommen worden, zitierte Anadolu Innenminister Süleyman Soylu. Etwa 150.000 Beamte wurden aus dem Staatsdienst entlassen oder suspendiert, etwa 20.000 Armee-Angehörige wurden aus dem Militär ausgeschlossen. Die Gerichte haben bislang mehr als 2500 lebenslange Haftstrafen wegen des Putschversuchs verhängt. Noch immer kommt es zu Polizeirazzien gegen Verdächtige mit mutmaßlichen Verbindungen zu Gülen. (reuters)