Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bereits einen Wunsch an das Christkind: "Gerade jetzt, da wir so viel an Weihnachten und an den kommenden Jahreswechsel denken, wünsche ich mir und wünsche ich uns allen, dass wir mehr denn je miteinander und füreinander einstehen." Für die passionierte Langläuferin bedeutet das unter anderem, dass die Deutschen zu Weihnachten die Skipisten meiden.

In ihrer Regierungserklärung am Donnerstag hat die CDU-Politikerin klargemacht, dass Berlin auf eine europaweite Schließung der Pisten drängen will. Und der Appell ist klar: Die Deutschen sollen die Abfahrten meiden, egal wo. Von Reisen wird abgeraten. Wer dabei nicht mitspielt, ist Österreich - hier ist das Geschäft mit dem weihnachtlichen Skivergnügen einfach zu wichtig. Folgerichtig lehnt Bundeskanzler Sebastian Kurz eine länderübergreifende Verschiebung der Saisoneröffnung in Skigebieten ab. Das treibt seiner deutschen Amtskollegin die Sorgenfalten auf die Stirn, wie es heißt.

- © M. Hirsch
© M. Hirsch

Diese könnten sich bei den österreichischen Touristikern nach der Ankündigung des bayrischen Kabinetts noch vertieft haben. Demnach sollen Wintersportler und andere Tagestouristen, die auch nur kurz in ein Risikogebiet im Ausland reisen, in Bayern künftig verpflichtend in Quarantäne müssen. Eine Ausnahmeregelung für Aufenthalte unter 24 Stunden soll nur noch bei Vorliegen triftiger Gründe gelten, insbesondere Arbeit, Schule, Arztbesuche, familiäre Angelegenheiten und Geschäfte des täglichen Bedarfs. Dabei sind vor allem Tirol und Vorarlberg von deutschen Gästen stark abhängig.

Verwirrung um Lockdown

Mehr Entgegenkommen für den Vorstoß aus Deutschland - und aus Italien, das das Skifahr-Verbot zuerst lanciert hat - gibt es da in Frankreich. Dort ist die Sache klar: Die Skilifte werden rund um Weihnachten geschlossen, die Wintersportorte selbst aber offen sein. Wanderungen sind möglich, Einkaufen ist es ebenso. Restaurants und Bars bleiben jedoch geschlossen. Auch die Schweiz hat bereits beschlossen, die Skigebiete geöffnet zu lassen - solange diese sich an alle Sicherheitsmaßnahmen halten.

Nicht so eindeutig zu beantworten ist die Frage, ob die Österreicher zu den Weihnachtsfeiertagen überall in ihrer Heimat dem Wintersport frönen können. Denn der Ski-Lockdown treibt hierzulande merkwürdige Blüten. Die beiden westlichen Bundesländer, Tirol und Vorarlberg, haben sich erst letzte Woche dafür ausgesprochen, Mitte Jänner wieder zu öffnen, um das restliche Wintergeschäft dann komplett mitzunehmen. Die anderen Bundesländer wollen hingegen am Wochenende vor Weihnachten wieder ins Geschäft kommen.

Wie die Festtage im privaten Bereich aussehen werden, ist ebenfalls noch ungewiss - ungewisser als etwa in Deutschland. Im Nachbarland gilt zwar die Fünf-Personen-Regelung, wonach Treffen auf fünf Menschen beschränkt sind. Doch zu Weihnachten sollen zehn Menschen zusammenkommen dürfen, Kinder bis 14 Jahre nicht eingerechnet. Es soll sich dabei aber um den engsten Familien- und Freundeskreis handeln. Kritiker sehen in der Ausweitung allerdings die Gefahr, dass die Zahl der Neuinfektionen danach wieder steigen könnte.

Virtuelle Firmenfeiern

In Österreich sind derzeit ebenfalls Kontaktbeschränkungen verhängt: Erlaubt ist lediglich der Umgang mit "einzelnen engsten Angehörigen" oder "einzelnen wichtigen Bezugspersonen". Ob dies auch noch zu Weihnachten gelten wird, ist noch unklar. Für den kommenden Mittwoch hat die Regierung zunächst einmal einen Fahrplan für die Öffnungsschritte nach dem harten Lockdown angekündigt. Das wird in erster Linie Schulen und den Handel betreffen. In die weiteren Entscheidungen könnten unter Umständen auch die Ergebnisse der Massentests einfließen, die nun schneller als ursprünglich geplant starten.

Fix ist aber: Die für etliche Österreicher obligate Firmenfeier wird es heuer nicht geben. Allerdings haben sich auch hier findige Köpfe etwas einfallen lassen, wie der ORF online berichtet. Demnach werden Firmenfeiern per Videokonferenz von Unternehmern angeboten; im virtuellen Raum soll nun nicht gearbeitet, sondern gefeiert werden.

Dabei sind es offenbar vor allem Anbieter von Teambuilding-Events, die jetzt ihre Stunde gekommen sehen. Geboten wird das "spielerische Erzeugen von Gruppendynamiken" - eine Art Animateur führt dabei durch das Programm. Rätsel sollen gelöst, Aufgaben bewältigt werden. Karaoke-Sessions und Ansprachen von Vorgesetzten können ebenfalls Teil des Programms sein und gebucht werden.

Ob sich diese Form der beruflich bedingten Weihnachtsunterhaltung durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Skeptiker melden bereits Zweifel an, dass diese Art der Unterhaltung von den Mitarbeitern tatsächlich als "lustig" empfunden wird.

Treffen wie bisher

Abseits davon könnte es diesmal für die Mitarbeiter Gutscheine geben. Denn nicht nur Firmenfeiern sollen für die Unternehmen steuerlich absetzbar sein, sondern auch Gutscheine, die statt der Feier an die Mitarbeiter ausgegeben werden. Die Überlegung dahinter ist die, dass davon Arbeitnehmer und Handel profitieren würden.

Doch abgesehen von allen derzeitigen Ungewissheiten: Zwei Drittel der Österreicher wollen sich laut einer Umfrage der Makam Research GmbH jedenfalls nicht die Freude zu Weihnachten verderben lassen. "67 Prozent planen, das Weihnachtsfest trotz Corona genauso zu verbringen wie immer", hieß es am Donnerstag in einer Aussendung.

Der Großteil der Bevölkerung will sich bei der Personenanzahl bei der privaten Weihnachtsfeier nicht einschränken, zwölf Prozent der Befragten wollen das Fest heuer mit weniger Familienmitgliedern und Freunden als gewohnt begehen. Nur rund vier Prozent der Menschen werden beim Feiern auf den Umgang mit Eltern oder Großeltern verzichten. Zwei von hundert Personen werden das Weihnachtsfest wegen der Pandemie heuer erstmals allein verbringen. (czar/schmoe)