Hunderte Menschen haben in Warschau erneut gegen die Verschärfung des Abtreibungsrechts demonstriert. Die Polizei habe die Demonstranten per Lautsprecher zum Fortgehen aufgefordert und versucht, sie einzukesseln, berichtete die Zeitung "Gazeta Wyborcza" am Samstag.

"Wir haben ein Recht zu protestieren", skandierte die Menge demnach. Die Teilnehmer trugen Spruchbänder wie "Schreibt mir nicht vor, wie ich zu leben habe" oder "Weg mit der Regierung der Frauenhasser". Die Polizei habe mehrere Personen in Gewahrsam genommen, berichtete die Nachrichtenagentur PAP.

Widerstand seit Oktober

Die Organisatoren benannten den Roman-Dmowski-Platz im Stadtzentrum mit einem neuen Schild symbolisch in "Platz der Frauenrechte" um. In anderen polnischen Städten wie Krakau (Krakow) und Breslau (Wroclaw) fanden kleinere Kundgebungen statt. Anlass war der 102. Jahrestag der Einführung des aktiven und passiven Frauenwahlrechts in Polen am 28. November 1918.

Im Oktober hatte das Verfassungsgericht in Warschau entschieden, dass Frauen in Polen selbst dann keine Abtreibung vornehmen dürfen, wenn das ungeborene Kind schwere Fehlbildungen aufweist. Seitdem gibt es Proteste. Das Abtreibungsrecht des stark katholisch geprägten Landes gehört ohnehin zu den strengsten in Europa.