Auf ein hervorragendes Gesundheitssystem können Bürger in Österreich vertrauen, wenn sie von Covid19 - oder einer anderen Erkrankung - betroffen sind. Wie groß die Unterschiede selbst innerhalb der EU sind, zeigt sich beim Blick auf Rumänien: Von den rund 20 Millionen Einwohnern sind fast eine halbe Million positiv getestet worden, knapp 11.900 Personen verstarben bisher mit dem Coronavirus. Zwar liegt Rumänien derzeit mit 364 Neuinfizierten pro einer Million Einwohner im Sieben-Tages-Durchschnitt besser als Österreich, an den strukturellen Problemen ändert das aber nichts. Kein EU-Land hat in den vergangenen Jahren mehr Ärzte verloren. 14.000 Mediziner sind laut dem Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche von 2010 bis 2018 abgewandert. Das entspricht mehr als einem Viertel der in Rumänien aktiven Ärzte.

Die Mediziner zogen nicht nur aufgrund besserer Verdienstmöglichkeiten und medizinischer Ausrüstung in den Westen, Korruption und Klientelismus grassieren in Rumänien auch nach dem EU-Beitritt 2007. Seit vergangenem November amtiert Ludovic Orban als Premier. Dessen konservative Partei PNL, die sich aber nationalliberal nennt, löste die postkommunistische PSD an der Macht ab. Keine deren hochumstrittenen Maßnahmen, darunter im Justizbereich, habe die PNL-Minderheitsregierung zurückgenommen, kritisieren rumänische Politikbeobachter. Und das, obwohl es Orbans Partei per Eilverordnung durchaus möglich gewesen wäre.

Dennoch steuert der Regierungschef bei der Parlamentswahl am Sonntag auf einen Erfolg zu. Die PNL liegt in Umfragen deutlich vor der PSD. Die Postkommunisten - sie selbst bezeichnen sich als Sozialdemokraten - können nur noch mit maximal einem Viertel der Wählerstimmen rechnen. Bei der bisher letzten Parlamentswahl vor vier Jahren waren es noch mehr als 45 Prozent.

Aufgrund ihres Tiefs versuchte die PSD, die Wahl wegen der Pandemie auf kommenden März zu vertagen. Parteichef Marcel Ciolacu boxte im Parlament eine entsprechende Gesetzesinitiative durch. Allerdings hatte Orbans Kabinett die Parlamentswahl bereits per Regierungsbeschluss für den 6. Dezember angesetzt, Regierung und Präsidentschaft verhinderten anschließend mit Verfassungsbeschwerden ein Inkrafttreten der von der PSD initiierten Ausnahmeregelung.

Populär in Städten und der Diaspora

Mit Klaus Johannis amtiert nämlich auch ein entschiedener Gegner der Postkommunisten als Staatspräsident. Er machte vor kurzem deutlich, dass "Rumänien sich keinen weiteren Zyklus der Unterentwicklung leisten kann". Der Urnengang am Sonntag sei bestimmend für die Zukunft des Landes, das eine reformwillige Parlamentsmehrheit brauche, um endlich den erhofften Aufbau in Angriff nehmen zu können. Es gelte, in vernachlässigten Schlüsselbereichen Investitionsprojekte anzustoßen, Reformen einzuleiten, die "Justizreform" der PSD zurückzunehmen und die Korruptionsbekämpfung anzukurbeln.

Gelingen soll das Johannis’ zufolge in einer Koalition der PNL mit dem jungen Bündnis USR-PLUS, das aus der Zivilgesellschaft hervorgegangen ist. Die auf europäischer Ebene den Liberalen zugehörige Bewegung ist vor allem in Städten und unter den millionenfach ausgewanderten Rumänen stark. Bei der Kommunalwahl im September sorgten sie für ein Novum: Der Deutsche Dominic Fritz wurde in Temeswar erster nichtrumänischer Bürgermeister einer Großstadt. Auch er setzte auf Transparenz, Antikorruptionsmaßnahmen - und eine proeuropäische Grundhaltung.

In der PNL hält sich die Begeisterung über den möglichen Koalitionspartner aber in Grenzen. Politiker der von Filz und Günstlingswirtschaft noch immer behafteten Partei sprachen sich gegen ein Bündnis aus. Auch für Fraktionschef Daniel Fenechiu ist eine solche Koalition "keineswegs die erste Option". (da/apa)