In Rumänien hat Regierungschef Ludovic Orban am Montagabend die Konsequenzen aus der überraschenden Wahlpleite seiner liberalen Partei bei der Parlamentswahl vom Vortag gezogen und seinen Rücktritt bekannt gegeben. Er habe nicht vor, sich an das Amt des Ministerpräsidenten zu klammern, zumal die Verhandlungen zur Bildung einer Regierungskoalition schon in den kommenden Tagen anstünden, sagte Orban in einer TV-Ansprache.

Indes ernannte Rumäniens Staatspräsident Klaus Johannis den amtierenden Verteidigungsminister Nicolae Ciuca (parteifrei) per Dekret zum geschäftsführenden Regierungschef. Bis zur Amtseinführung der neuen Koalitionsregierung soll Ciuca diese Funktion ausüben.

Der Vier-Sterne-General a. D. Nicolae Ciuca, Spitzname "Wüstengeneral", ist ehemaliger Generalstabschef des rumänischen Heeres. Zwischen 2002 und 2003 stand der heute 53-Jährige den rumänischen Truppen in Afghanistan (Anti-Terror-Einsatz "Enduring Freedom I") vor, anschließend befehligte er, ebenfalls 2003, im Irak-Krieg den rumänischen Einsatz in der Schlacht von Nasiriya um strategisch wichtige Brücken am Euphrat.

Ciuca hatte den aktiven Dienst letzten Herbst verlassen, um im Kabinett Orban das Amt des Verteidigungsministers zu übernehmen. Zu dem Zeitpunkt hatte Ciuca bei Facebook klargestellt, keinerlei politische Ambitionen zu hegen, sondern aus seiner neuen Position heraus lediglich "dem Heer weiter dienen" zu wollen.

Orbans Rücktritt nach Gespräch mit Johannis

Neben seinem Rücktritt gab der scheidende Regierungs- und amtierende Liberalenchef Orban ebenfalls bekannt, die Verhandlungen seiner Partei mit den potenziellen Koalitionspartnern selbst leiten zu wollen – die Interessen des Landes hätten Vorrang sowohl vor jenen der Liberalen als auch seiner eigenen, wie der 57-Jährige hinzufügte.

Orbans Rücktritt als Regierungschef war nach einem Vier-Augen-Gespräch mit Johannis erfolgt. Unbestätigten Presseberichten zufolge soll Johannis dabei angedeutet haben, nach den anstehenden Sondierungsgesprächen mit den Fraktionen Orban kein weiteres Mal mit der Regierungsbildung beauftragen zu wollen. (apa)