Der Weihnachtseinkauf in Deutschlands Städten kurz vor dem Fest fällt dieses Jahr aus. Bund und Länder beschlossen angesichts weiter steigender Infektionszahlen, dass bis auf Lebensmittelgeschäfte oder Drogerien alle Läden am Mittwoch schließen müssen. "Das alles hat Auswirkungen auf die Feiertage, das wissen wir, aber wir sind zum Handeln gezwungen," sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel nach einer Schaltkonferenz mit den Ministerpräsidenten der Länder. Dies gelte zunächst bis zum 10. Januar. "Wie es Anfang Januar weitergeht, wissen wir noch nicht."

Feiern zu Weihnachten sollen möglich sein, aber mit klaren Beschränkungen von fünf Personen plus Kindern, die Details können die Länder selbst festlegen. Böller für Silvester dürfen nicht verkauft werden. Zum Jahreswechsel gilt zudem ein Versammlungsverbot. Gottesdienste sollen möglich sein, aber mit klaren Abstandsregeln. Friseure werden geschlossen.

Auch an den Schulen sollen im Zeitraum vom 16. Dezember 2020 bis 10. Januar 2021 die Kontakte deutlich eingeschränkt werden. Der Verzehr von alkoholischen Getränken im öffentlichen Raum soll im selben Zeitraum untersagt und Verstöße mit einem Bußgeld belegt werden.

Deutschlands Bund und Länder setzen auf harte Einschnitte ab Wochenmitte. - © APAweb / afp/Andersen
Deutschlands Bund und Länder setzen auf harte Einschnitte ab Wochenmitte. - © APAweb / afp/Andersen

Söder: "Fünf vor zwölf"

 "Corona ist außer Kontrolle geraten", warnte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. "Die Lage ist eigentlich fünf vor zwölf." Deswegen habe man keine halben Sachen mehr machen wollen. Ab Mittwoch gelte ein "Lockdown für alle", sagte der CSU-Vorsitzende. "Die Philosophie heißt: Daheim bleiben!" Berlins Regierungschef Michael Müller (SPD) betonte, es seien weiter "Dinge möglich", etwa an Weihnachten. "Aber man muss auch nicht alles machen, was möglich ist."

Von der Geschäftsschließung ausgenommen sind nach dem Beschluss von Bund und Ländern unter anderem der Einzelhandel für Lebensmittel, Abhol- und Lieferdienste, Apotheken und Banken und Sparkassen.

Für Weihnachten sollen nach dem Beschluss die strengen Regeln für private Kontakte - maximal fünf Personen aus maximal zwei Hausständen - gelockert werden. Vom 24. bis zum 26. Dezember sind demnach Treffen mit vier über den eigenen Hausstand hinausgehende Personen zuzüglich Kinder im Alter bis 14 Jahre aus dem engsten Familienkreis zulässig.

Neun Monate nach dem ersten Corona-Lockdown an Kindergärten und Schulen sollen die meisten Einrichtungen nun ebenfalls überall in Deutschland geschlossen oder nur noch eingeschränkt betrieben werden. Merkel und die Ministerpräsidenten vereinbarten, dass Schüler und Kindergarten-Kinder spätestens ab Mittwoch für zunächst dreieinhalb Wochen zu Hause bleiben sollen.

Am Sonntag meldetet das Robert-Koch-Institut über 20.000 Infektionen, obwohl die Zahlen an Sonntagen gewöhnlich wegen fehlender Meldungen der Gesundheitsämter deutlich niedriger sind.

Bereits früher hatte der Bund betroffene Unternehmen und Soloselbständige Hilfen in Aussicht gestellt. Vorgesehen sind unter anderem Zuschüsse zu den Fixkosten. (reuters)