Bern. Das Schweizer Parlament hat der Einführung der Ehe homosexueller Paare zugestimmt. Mit dem Votum am Freitag billigten nun beide Abgeordnetenkammern die Vorlage "Ehe für alle". Vor dem Ständerat hatte Anfang Dezember auch der Nationalrat die Gesetzesänderungen angenommen, welche die Vorlage ermöglichen. Umstritten war damals bis zuletzt vor allem die Frage, ob lesbische Paare Zugang zur Samenspende erhalten sollten. Letztlich stimmten jedoch beide Kammern zu. Auch die Regierung in Bern, der Bundesrat, unterstützte die Vorlage.

"Das ist ein historischer Sieg für die Rechte der LGBTIQ-Community", schrieb die Schweizer Sektion von Amnesty International im Online-Dienst Twitter. Die Organisation Regenbogenfamilien, die sich für die Rechte homosexueller Eltern in der Schweiz einsetzt, kündigte an, sich auf einen Volksentscheid vorzubereiten. Matthias Erhardt, der Vizepräsident des Komitees Ehe für alle, hatte sich schon Anfang Dezember zuversichtlich gezeigt: "Wir haben 82 Prozent der Bevölkerung hinter uns", sagte er.

Keine vollständige Gleichberechtigung

Homosexuelle Paare sind mit der Novelle jedoch nicht vollständig gleichberechtigt mit heterosexuellen Paaren. So können verheiratete Männerpaare nach wie vor nicht Eltern werden, da die Leihmutterschaft nicht Bestandteil der Ehe für alle ist. Auch die Pension für Hinterlassene ist in der Vorlage nicht enthalten.

Das letzte Wort werden aber wohl die Bürger haben: Die konservative Eidgenössisch-Demokratische Union hat eine Volksabstimmung zum Thema angekündigt. Die Schweiz war bisher eines der wenigen europäischen Länder, in dem die Homo-Ehe noch verboten war. Erlaubt war bisher eine "eingetragene Partnerschaft", die jedoch rechtlich nicht der Ehe gleichgestellt ist.