Nach der Entdeckung einer neuen Variante des Coronavirus in Großbritannien wird auch Österreich ein Landeverbot für Flüge aus Großbritannien aussprechen. Das kündigte am Sonntag nach dem Gesundheitsministerium auch das Außenministerium gegenüber der APA an. "Rasche Maßnahmen sind in dieser gefährlichen Situation das Gebot der Stunde", ließ Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) wissen, Österreich werde daher ein Landeverbot für alle Flüge aus Großbritannien verhängen. Die österreichische Verordnung tritt am Dienstag um 0 Uhr in Kraft und endet - nach derzeitigem Stand - mit Ablauf des 1. Jänner.

"Wir müssen mit allen Mitteln verhindern, dass diese gefährliche Virus-Mutation zu uns eingeschleppt wird", argumentierte Schallenberg in einer Mitteilung an die APA. "Wir haben Großbritannien bereits darüber informiert, dass wir zum Schutz unserer Bevölkerung diese einschneidende Maßnahme treffen müssen. Auch andere europäische Länder, wie die Niederlande, Belgien und Italien, haben heute bereits ähnliche Schritte gesetzt. Die Mutation zeigt die große Gefahr, die weiterhin von diesem Virus ausgeht."

Neue Verordnung notwendig

Für die neue Maßnahme ist als rechtliche Grundlage eine Verordnung notwendig. Derzeit gebe es bereits strenge Auflagen, war im Gesundheitsministerium bereits zuvor betont worden: Großbritannien wird als Staat mit erhöhtem Infektionsrisiko angesehen, weshalb für Einreisende eine Quarantänepflicht gilt. Ein Freitesten aus der zehntägigen Quarantäne ist frühestens nach dem fünften Tag möglich. NEOS Gesundheitssprecher Gerald Loacker kritisierte zwischenzeitlich jedoch die "Untätigkeit der Regierung".

Wegen der neuen Variante des Coronavirus beruft die deutsche EU-Ratspräsidentschaft für Montag ein Notfalltreffen mit Vertretern anderer Mitgliedstaaten ein. Berlin rufe im Rahmen des Krisenreaktionsmechanismus der Staatengemeinschaft (IPCR) nationale Experten zusammen, wie ein Sprecher der deutschen Ratspräsidentschaft am Sonntag mitteilte. Auf der Tagesordnung stehe die Koordination der Europäischen Union in Bezug auf die neue Virusvariante.

Am späten Sonntagabend wurde bekannt, dass die neue Corona-Variante Italien erreicht hat. Das Gesundheitsministerium des südeuropäischen Landes teilt mit, dass die Virusmutation bei einem Patienten nachgewiesen worden sei. Dieser sei zusammen mit einer weiteren Person in den vergangenen Tagen aus Großbritannien zurückgekehrt und mit dem Flugzeug in Rom gelandet. Der Patient befinde sich nun in Quarantän.

Variante schon Anfang Dezember in Niederlande festgestellt

Auch andere europäische Länder, wie die Niederlande, Belgien, Italien, Deutschland oder Bulgarien setzten am Sonntag bereits ähnliche Schritte. Die Niederlande waren Sonntag früh die ersten gewesen, die entsprechende Maßnahmen ergriffen und zunächst bis zum 1. Jänner ein Verbot des Flugverkehrs mit Passagieren aus dem Vereinigten Königreich ausgesprochen hatten. Auf dem Flughafen Amsterdam-Schiphol kam es am Sonntag zu Ausfällen von Verbindungen von und nach London, wie der internationale Flughafen am Sonntag auf seiner Internetseite mitteilte. Schiphol ist ein wichtiges Drehkreuz in Westeuropa.

Die niederländische Regierung begründete ihren Schritt mit einer Empfehlung des Instituts für Umwelt und Gesundheit RIVM, die Einschleppung dieses Virusstammes aus dem Vereinigten Königreich so weit wie möglich zu begrenzen, indem die Reisebewegungen aus dem Vereinigten Königreich so weit wie möglich eingeschränkt oder kontrolliert würden. Inzwischen weiteten die Niederlande den Einreisestopp auch auf Passagiere von Fähren aus. Fahrer von Lastwagen sind vorerst aber nicht betroffen.

Bereits Anfang Dezember sei bei einer Stichprobe in den Niederlanden ein Virus mit der im Vereinigten Königreich beschriebenen Variante identifiziert worden, hieß es weiter. Auch Belgien kappt die Flug- und Zugverbindungen aus Großbritannien ab Mitternacht. Regierungschef Alexander De Croo sagte im Fernsehsender VRT, die Aussetzung der Flug- und Zugverbindungen werde für mindestens 24 Stunden gelten. Italiens Außenminister Luigi di Maio erklärte in einem Facebook-Post: "Als Regierung haben wir die Pflicht, die Italiener zu schützen." Deswegen sei man dabei, das Landeverbot zusammen mit dem Gesundheitsministerium umzusetzen.

In Deutschland sind Landungen aus Großbritannien ab Mitternacht untersagt, wie aus einer Verfügung des Verkehrsministeriums hervorgeht. Ausgenommen sind demnach reine Frachtflüge, Flüge mit medizinischem Personal oder wenn Maschinen nur mit Crews an Bord nach Deutschland zurückkehren wollen. Auch Bulgarien kündigte ähnliche Maßnahmen an.

Koordination auf EU-Ebene

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel, EU-Kommissionspräsidenten Ursula von der Leyen und Charles Michel, Präsident des Europäischen Rates, erörterten in einem Telefonat die neue Corona-Lage in England. Nach Angaben aus Elysée-Kreisen sei im Mittelpunkt der Gespräche am Sonntag ein gemeinsames Vorgehen angesichts der dort aufgetretenen neuen Variante des Coronavirus gestanden. Macron hat noch für Sonntagabend einen Verteidigungsrat einberufen.

Griechenland verlängerte die Quarantänepflicht für Reisende aus Großbritannien. Statt bisher drei Tage müssen sich ab Montag um 6.00 Uhr Ortszeit (05.00 MEZ) alle Reisenden aus Großbritannien nach Griechenland für eine Woche in Quarantäne begeben. Für Reisende aus anderen Staaten bleibt die dreitägige Quarantänepflicht bestehen. Dies teilte die Zivilschutzbehörde am Sonntagabend in Athen mit. Zudem müssen alle Reisenden nach Griechenland einen Corona-Schnelltest nach ihrer Ankunft machen. Die Kosten übernimmt der griechische Staat. Sie müssen auch einen negativen PCR-Coronatest vorweisen, der nicht älter als 72 Stunden ist.

Wegen der raschen Ausbreitung einer neuen Variante des Coronavirus in Großbritannien hatte die britische Regierung einen neuen Shutdown u.a. für die Hauptstadt London verhängt. Die kürzlich entdeckte Variante sei um bis zu 70 Prozent ansteckender als die bisher bekannte Form, sagte Premierminister Boris Johnson am Samstag. Es gebe aber keine Hinweise darauf, dass Impfstoffe gegen die Mutation weniger effektiv seien.

Die schottische Polizei verstärkte ihre Kontrollen. "Heute habe ich die Verdoppelung unserer Präsenz in den schottischen Grenzgebieten genehmigt", sagte Polizeichef Iain Livingstone. "Gut sichtbare Patrouillen" sollten jeden abschrecken, der erwäge, gegen die Reisebeschränkungen zu verstoßen.

Checkpoints oder andere Kontrollstellen werde es aber nicht geben, betonte Livingstone. Regierungschefin Nicola Sturgeon hat ein striktes Reiseverbot zwischen Schottland und den übrigen britischen Landesteilen verhängt. Einzelne Fälle der Virus-Mutation wurden auch aus Schottland und Wales gemeldet. Die hoch ansteckende Corona-Variante breitet sich vor allem in London und anderen Gegenden in Südostengland rasch aus. Dort gelten seit Sonntag weitreichende Ausgangs- und Reisesperren. (apa/afp/dpa, Reuters)

Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel wurde am 21. Dezember Vormittag aktualisiert.