Der Abstand zwischen der ersten und zweiten Corona-Impfung soll nach Ansicht der deutschen Impfkommission (Stiko) am Robert Koch-Institut (RKI) nicht vergrößert werden. Das teilte die Stiko in einer Aktualisierung ihrer Impfempfehlung am Freitag mit. Auch in Österreich war diese Frage diskutiert worden, um schneller eine größere Gruppe mit zumindest einem Teil-Schutz zu versorgen, die Entscheidung fiel aber negativ aus. In Deutschland hatte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Behörde ein solches Vorgehen prüfen lassen.

"Die Gabe der zweiten Impfstoffdosis soll innerhalb des durch die Zulassungsstudien abgedeckten Zeitraumes (derzeit 42 Tage) erfolgen", heißt es in der Aktualisierung der Impfempfehlung. Zur Begründung erläutern die Experten, dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt unsicher sei, ob man durch eine Verschiebung der zweiten Impfstoffdosis auf einen späteren Zeitpunkt tatsächlich mehr schwere Erkrankungen und Todesfälle verhindere als durch eine zeitnahe zweite Impfung der Hochrisikogruppen, welche dann zu einem nahezu vollständigen Schutz vor Erkrankung führt. Sollte der empfohlene Abstand zwischen der ersten und der zweiten Impfstoffdosis überschritten worden sein, könne die Impfserie jedoch fortgesetzt werden und müsse nicht neu begonnen werden.

Impfdosen werden nicht zurückgelegt

Beim derzeit bereits verwendeten Impfstoff von Biontech/Pfizer ist die zweite Impfung 21 Tage nach der ersten empfohlen. In der Phase-3-Studie wurden auch längere Zeiträume erprobt, es muss also nicht exakt am 21. Tag die Immunisierung verbreicht werden. Laut Zulassung sind bis zu 42 Tage möglich. Das ist insofern auch von Relevanz in Österreich, da die zweite Impfung für bereits geimpfte Personen nicht zurückgelegt wird, sondern sofort verimpft wird. Kommt es bei den Lieferungen irgendwann zu Verzögerungen, kann also einige Tage später die zweite Impfung erfolgen.

Die Stiko folgt mit ihrer Stellungnahme der Einschätzung vieler anderer Experten. So hatte die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) in Amsterdam bereits darauf hingewiesen, dass eine Änderung des Abstandes zwischen beiden Impfdosen eine Änderung der Bedingten Marktzulassung und mehr klinische Daten notwendig machen würde. Auch die amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA hatte davor gewarnt, von der vorgeschriebenen Verabreichung der zwei Dosen abzuweichen. Änderungen könnten erst erwogen werden, wenn es dazu wissenschaftlich fundierte Daten gebe.