In der Schwarzmeer-Republik Georgien zieht sich der Multimilliardär Bidsina Iwanischwili nach rund zehn Jahren aus der Politik zurück. Der Ex-Regierungschef und Chef der Regierungspartei "Georgischer Traum" galt als einer der einflussreichsten Fädenzieher in dem Land. "Ich glaube, dass meine Mission erfüllt wurde", sagte der Oligarch am Montag in der Hauptstadt Tiflis (Tbilissi).

Er werde nicht nur das Amt des Parteivorsitzenden aufgeben, sondern auch die Partei verlassen und wieder ins Privatleben zurückkehren. "Ich werde in wenigen Wochen 65 Jahre alt, und dies ist einer der wichtigsten Gründe meiner Entscheidung", erklärte der frühere Regierungschef. Es sei vielfach der Wunsch geäußert worden, dass jüngere Menschen "mehr in den Vordergrund rücken" sollten, die die Regierungspartei weiter stärkten und nicht schwächten.

"Georgischer Traum" holt 48 Prozent Stimmen

In Georgien glaubt Umfragen zufolge etwa die Hälfte der Bevölkerung, dass die Parlamentswahl im November gefälscht wurde. Die Wahlkommission hatte dem "Georgischen Traum" 48 Prozent der Stimmen zugesprochen. Die komplette Opposition sprach von Wahlbetrug und erkennt die Ergebnisse nicht an. Sie boykottiert die Arbeit im neuen Parlament und fordert Neuwahlen. Zudem leidet die stark auf den Tourismus angewiesene Wirtschaft unter der Corona-Pandemie.

Der Geschäftsmann ist der reichste Mann Georgiens. Er gründete Ende 2011 eine Bürgerbewegung, aus der wenige Monate später die Partei "Georgischer Traum" hervorging. Er stand für eine Annäherung seines Landes an die EU und die NATO. Reich wurde Iwanischwili nach dem Zerfall der Sowjetunion in Russland mit Metallhandel, einer eigenen Bank und Immobiliengeschäften. (apa, dpa)