Lieferprobleme bei Corona-Impfstoffen sorgen in der EU weiter für heftige Debatten. Und mittlerweile haben nicht nur einzelne Staaten - wie Italien - rechtliche Schritte gegen möglicherweise säumige Pharmafirmen angedroht, sondern auch die EU. Ratspräsident Charles Michel hatte am Sonntag in einem Radiointerview erklärt: "Wir wollen dafür sorgen, dass die Pharmaunternehmen die Verträge respektieren, die sie unterzeichnet haben." Wie, führte er jedoch nicht aus. Denkbar sind beispielsweise Strafzahlungen für die Konzerne.

Jedenfalls wurden Vertreter von AstraZeneca am Montag zu einem Gespräch mit der EU-Kommission in Brüssel gebeten. Deren Präsidentin Ursula von der Leyen telefonierte zusätzlich mit Geschäftsführer Pascal Soriot. Der britisch-schwedische Konzern, dessen Impfstoff in der EU noch nicht zugelassen ist, musste erklären, warum er Verzögerungen bei vereinbarten Lieferungen angekündigt hatte. Ähnliches hatte zuvor auch die Kooperation von Biontech und Pfizer verkündet. Grund sei hier eine geringere Produktion am Standort in Belgien.

Mittlerweile werden Stimmen laut, die der EU-Kommission nicht nur allzu zögerliches Handeln bei den Bestellungen im Vorjahr vorwerfen, sondern auch zu wenig Durchsetzungsvermögen bei den aktuellen Gesprächen mit den Pharmafirmen. Im EU-Parlament wird außerdem mangelnde Transparenz bei den Verträgen mit den Konzernen beklagt, für deren Abschluss die Kommission zuständig war.

Laut eigenen Aussagen hat sie bisher sechs Vereinbarungen über 2,3 Milliarden Impfdosen genehmigt. Mit Biontech/Pfizer gibt es etwa Abmachungen über 600 Millionen, mit AstraZeneca über 400 Millionen Dosen.

Auch in der Kommission wird darauf verwiesen, dass die Schwierigkeiten in der Produktionskette zu suchen sind. Allerdings scheint dies nicht für alle zu gelten. In Großbritannien wird zügig weitergeimpft - unter anderem mit dem Vakzin von AstraZeneca, das übrigens gemeinsam mit der britischen Oxford-Universität entwickelt wurde. Pfizer dürfte seine Vereinbarungen mit der Insel ebenfalls einhalten. Die Pläne für die Lieferungen von Jänner bis März bleiben unverändert, teilte am Montag ein Regierungssprecher mit.

Dass die USA keine Engpässe melden, dürfte daran liegen, dass Pfizer ein amerikanisches Unternehmen ist. Darauf verwies auch das deutsche Gesundheitsministerium in einem umfangreichen Papier, aus dem die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" zitiert. Demnach wurden Pfizers Fabriken in den USA Anfang Dezember per Präsidentendekret angewiesen, ausschließlich für den dortigen Markt zu produzieren, während der Impfstoff für die übrige Welt in Europa herzustellen sei.

Verwirrung um unterschiedliche Zahlen

Allerdings herrscht rund um die Zahl der Impfungen und Dosen auch einige Verwirrung. In Österreich etwa teilte der zuständige Pfizer-Geschäftsführer Robin Rumler mit, dass nicht weniger, sondern mehr geliefert würde. "Österreich sollte im ersten Quartal 2021 rund 900.000 Dosen bekommen. Wir werden 1,1 Millionen Dosen ausliefern", sagte er der Austria Presseagentur. Nach Informationen des Gesundheitsministeriums hat Pfizer bis Anfang April die Lieferung von weiteren 804.990 Dosen angekündigt, davon 54.990 diese und 66.690 nächste Woche. Und zwar zusätzlich zu den bisher gelieferten Mengen.

Den ersten Transport der Vakzine von AstraZeneca erwartet Gesundheitsminister Rudolf Anschober ab 7. Februar. Die EU-Zulassung für den Impfstoff soll Ende der Woche erfolgen. Dann könne laut Ministerium im Februar in drei Tranchen das Vakzin nach Österreich geliefert werden: am 7. Februar 63.354, am 17. Februar 97.763 und Ende Februar 182.430 Dosen.

Unterschiedliche Zahlen gibt es für die bereits erfolgten Impfungen. Bis inklusive Sonntag erhielten in Österreich zumindest 4.360 Menschen die für den vollen Impfschutz nötige zweite Corona-Impfung. Insgesamt wurden laut "elektronischem Impfpass" zumindest 138.517 Personen geimpft, zumindest einmal.

Doch das Sozialministerium schätzt die Zahl der durchgeführten Impfungen auf 170.144. Basis dafür sind aber die ausgelieferten Impfdosen. (czar/reu/apa)