Kosten, Liefermengen und -termine - alles unkenntlich gemacht. Dass Verträge, die veröffentlicht werden, geschwärzte Passagen enthalten, ist nicht unüblich. Immerhin geht es um Geschäftsgeheimnisse, die die Konkurrenz nicht unbedingt kennen sollte. Daher ließ auch der Pharmakonzern AstraZeneca vertrauliche Informationen weg, als er am Freitag auf Druck der EU den Liefervertrag mit der Gemeinschaft publik machte.

Der Zwist um reduzierte Lieferungen ist damit freilich noch nicht völlig beigelegt. Zum einen sind die umstrittenen Punkte für die Öffentlichkeit unleserlich. Zum anderen bleibt die Interpretation der zwei Seiten unterschiedlich. Denn die EU-Kommission widerspricht der Darstellung von AstraZeneca-Geschäftsführer Pascal Soriot, wonach das Unternehmen nicht zur Zustellung bestimmter Vakzin-Mengen verpflichtet sei, sondern sich lediglich darum zu bemühen habe.

Die Brüsseler Behörde beharrt darauf, dass der britisch-schwedische Konzern die zugesagten Impfdosen liefert. Nach Angaben der Kommission waren 300 Millionen Dosen vereinbart, mit der Option auf eine Aufstockung um weitere 100 Millionen. Doch vor einer Woche hat AstraZeneca angekündigt, bis Ende März nur 31 Millionen statt mindestens 80 Millionen Einheiten zur Verfügung zu stellen. Am Freitag hat die Firma dann zusätzlich acht Millionen Dosen in Aussicht gestellt - was die EU aber unzureichend findet.

Die ursprünglich vereinbarten bis zu 400 Millionen Einheiten sind auch im Vertrag zu finden - mit dem Zusatz, dass diese Vorgabe eben "nach besten Bemühungen" erfüllt werden soll. Was das bedeutet, ist ebenso ein Streitpunkt wie die Frage, ob AstraZeneca Vakzine aus Großbritannien umleiten soll, wo keine Engpässe gemeldet werden.

Das Unternehmen teilt nicht die Meinung der Kommission, dass die EU Anspruch auf einen Teil der britischen Produktion habe, und verweist darauf, dass der Vertrag mit dem Königreich noch vor jenem mit der Gemeinschaft geschlossen wurde. Auch aus der Vereinbarung selbst geht nicht klar hervor, ob AstraZeneca verpflichtet ist, Impfdosen umzuleiten. Großbritannien hält von dieser Idee jedenfalls wenig.

Schadenfreude auf der Insel

Da öffnet sich schon die nächste Front in dem Disput - zwischen der Insel und dem Kontinent. London pocht bereits darauf, dass die eigene Vereinbarung mit dem Unternehmen eingehalten werde. Das Königreich hat sich 100 Millionen Einheiten des Vakzins gesichert, das AstraZeneca gemeinsam mit der Oxford-Universität entwickelt hat und das in Großbritannien seit Jahresanfang eingesetzt wird.

Eine gewisse Schadenfreude darüber, nicht mehr Teil der EU mit ihren aktuellen Problemen zu sein, kam hinzu. So erklärte Premier Boris Johnson, es wäre "sehr schade" gewesen, wenn das Königreich im Impfprogramm der EU geblieben wäre, statt einen eigenen Plan aufzustellen. Die britische Abmachung mit AstraZeneca will die Regierung aber nicht veröffentlichen.

Auf mehr Transparenz will hingegen die Kommission setzen. Sie begrüßte AstraZenecas Offenlegung und hofft, dass andere Hersteller dem Beispiel folgen. Bisher waren nur Teile des Vertrags mit der deutschen Pharmafirma Curevac zugänglich. Das EU-Parlament drängt schon seit längerem auf größere Einsicht.