In Deutschland wird der Corona-Lockdown möglicherweise bis zum 14. März verlängert, Schulöffnungen aber davor erlaubt: Das geht aus einem Entwurf vor dem für Mittwoch angesetzten Spitzengespräch zwischen Bund und Ländern hervor. Demnach werden zwar die geltenden Kontaktbeschränkungen und auch Schließungen von Geschäften bis Mitte März verlängert. Zugleich werden aber Ausnahmen im Bildungsbereich und etwa für Friseure gemacht.

Der neue Entwurf ist nach Informationen von Reuters aus Verhandlungskreisen zwischen dem Kanzleramt, dem Land Berlin und Bayern abgestimmt. Kanzlerin Angela Merkel und Vizekanzler Olaf Scholz hatten am Dienstagabend mit Bayerns Ministerpräsidentin Markus Söder und Berlins Regierenden Bürgermeister Michael Müller versucht, eine Kompromisslinie zu finden. "Der Entwurf könnte ein echter Kompromiss sein: Denn Länder wie Baden-Württemberg, Hessen, Sachsen, Schleswig-Holstein oder Niedersachsen hatten schon vorher gesagt, dass sie auf jeden Fall Öffnungsschritte in den Schulen durchsetzen würden", sagte ein Verhandlungsteilnehmer.

Ifo-Chef hält verlängerten Lockdown für verkraftbar

Der Präsident des Ifo-Instituts, Clemens Fuest, hält einen bis Mitte März verlängerten Lockdown wirtschaftlich für verkraftbar. "Wir haben derzeit ja einen Lockdown, in dem ein großer Teil der Wirtschaft geöffnet ist und aktiv ist – insbesondere der Sektor des Verarbeitenden Gewerbes", sagte der Chef des Münchner Wirtschaftsforschungsinstituts am Mittwoch. "Und solange das so ist, ist das ganze auch verkraftbar."

Die deutsche Wirtschaft kommen die Einschränkungen in der Coronakrise nach Berechnungen des Ifo-Instituts nach wie vor teuer zu stehen. Pro Woche entgehe Deutschland eine Wertschöpfung von 1,5 Milliarden Euro, wie die Münchner Forscher nach Unternehmensbefragungen ermittelten. Damit seien die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen aber deutlich geringer als während der ersten Welle im Frühjahr 2020, sagte der Leiter der Ifo-Konjunkturprognosen, Timo Wollmershäuser. "Die Wirtschaftsleistung dürfte nur in den konsumnahen Dienstleistungsbereichen ins Minus rutschen, in denen soziale Kontakte ein wichtiger Bestandteil des Geschäftsmodells sind."

Zu diesen Branchen gehören beispielsweise das Gastgewerbe, die Freizeit-, Kultur- und Sporteinrichtungen sowie Friseur- und Kosmetiksalons. Sie haben die Veränderungsrate des Bruttoinlandsprodukts im vierten Quartal 2020 um etwa einen halben Prozentpunkt nach unten gezogen. Im laufenden ersten Quartal dürfte es dann knapp ein Prozentpunkt sein. Insgesamt dürfte die reale Wirtschaftsleistung in den betroffenen Zweigen von Jänner bis März 2021 um etwa 20 Milliarden Euro niedriger liegen als im vierten Quartal 2019, dem letzten Vorkrisenquartal.

"Da die Industrie- und Baukonjunktur jedoch weiterhin gut laufen, dürfte das Bruttoinlandsprodukt zu Jahresbeginn nicht zurückgehen, sondern stagnieren", sagte Wollmershäuser.

Sieben-Tages-Inzidenz sank unter 70

Das Robert-Koch-Institut meldete am Mittwoch erstmals seit langem wieder eine Sieben-Tages-Inzidenz von unter 70. Sie sank auf 68,0 von 72,8 am Vortag, obwohl einige Infektionszahlen aus Nordrhein-Westfalen nachgemeldet worden waren. Die Zahl der nachgewiesenen Infektionsfälle stieg um 8.072 auf insgesamt 2.299.996. Die Gesundheitsämter meldeten binnen 24 Stunden zudem 813 weitere Todesfälle in Zusammenhang mit dem Coronavirus.

Offen ist laut Entwurf noch, wie die eigentlich verabredete weitere Öffnungsstrategie aussehen könnte. Dies könne bei einer nächsten Besprechung von Kanzlerin und Ministerpräsidenten am 10. März geklärt werden. (apa/reuters)