Die Ehefrau des inhaftierten russischen Oppositionspolitikers Alexej Nawalny ist einem Medienbericht zufolge nach Deutschland geflogen. Das meldete die russische Nachrichtenagentur Interfax am Mittwoch unter Berufung auf einen nicht näher genannten Informanten. Demnach befand sich Julia Nawalnaja auf einem Flug nach Frankfurt. Das Auswärtige Amt in Berlin wollte die Informationen nicht kommentieren.

Nawalnaja war im Jänner zusammen mit ihrem Ehemann nach dessen Genesung von einem Giftanschlag von Deutschland aus nach Moskau zurückgekehrt. Dort wurde Nawalny, einer der schärfsten Kritiker des russischen Präsidenten Wladimir Putin, noch am Flughafen festgenommen.

 

Haftbefehl gegen Nawalny-Mitstreiter

Ein Gericht in Moskau gab unterdessen einem Antrag der Ermittlungsbehörden auf einen Haftbefehl gegen Nawalnys engen Mitstreiter Leonid Wolkow statt. Wolkow organisiert derzeit aus seinem Exil in Litauen heraus den Protest gegen die Verurteilung Nawalnys. Zuletzt rief er seine Landsleute auf, sich zum Valentinstag am kommenden Sonntag zu kurzen Protestkundgebungen in der Nähe ihrer Wohnungen zu versammeln. Sie sollten die Taschenlampen ihrer Handys anschalten, Kerzen anzünden und Bilder davon auf sozialen Medien veröffentlichen.

Nawalny war vergangene Woche zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden, weil er gegen Bewährungsauflagen aus einem früheren Urteil verstoßen haben soll. Wiederholt sind Zehntausende auf die Straße gegangen, um für seine Freilassung zu demonstrieren. Nawalny ist einer der prominentesten Kritiker des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Er war im August nachweislich mit einem Kampfstoff der zu Sowjetzeiten entwickelten Nowitschok-Gruppe vergiftet worden. Über Monate wurde er in der Berliner Charité behandelt. Der Oppositionspolitiker macht Putin für den Anschlag persönlich verantwortlich, der Präsident weist eine Beteiligung zurück.

 

Nur noch 15 Prozent wollen demonstrieren

Einer aktuellen Umfrage des Instituts Levada zufolge ist die Zahl der Russen, die weitere Proteste erwarten, deutlich gestiegen. Demnach rechnen 45 Prozent damit, im November waren es nur 23 Prozent. Allerdings sind der Erhebung zufolge weniger Russen bereit, sich an den Protesten zu beteiligen. Rund 15 Prozent der 1616 in 50 Regionen befragten Personen gaben an, sie würden sich an politischen Demonstrationen beteiligen. Dies war den Angaben zufolge der niedrigste Wert seit März 2018. Menschenrechtsgruppen werfen den russischen Sicherheitskräften vor, mit unverhältnismäßiger Härte gegen Demonstranten vorzugehen. Laut Beobachergruppe OVD-Info wurden bei den Protesten in den vergangenen Tagen mehr als 11.000 Menschen festgenommen. (apa, reuters)