Zwei Monate nach Beginn der Impfkampagne will Italien auf das Gaspedal drücken. Innerhalb eines Monats soll die Zahl der täglich geimpften Personen auf 200.000 verdoppelt werden, geht aus einem Plan der italienischen Gesundheitsbehörden hervor. Ziel sei es, bis Ende des Sommers die Herdenimmunität zu erreichen.

Mithilfe des Zivilschutzes soll in den nächsten Monaten die Zahl der täglich durchgeführten Impfungen steigern und schrittweise auf 600.000 pro Tag gesteigert werden.

300.000 Mitglieder des Zivilschutzes sollen Impfungen auch in Betrieben ermöglichen, berichtete die Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera" (Sonntagsausgabe). Damit sollen Arbeitnehmer zügig geimpft werden. Um dieses Ziel zu erreichen, will Italien auch auf Eigenproduktion von Vakzinen setzen.

So führt der italienische Industrieminister Giancarlo Giorgetti Gespräche mit den Chefs namhafter italienischer Pharmakonzerne, um Wege zu prüfen, in Italien mit der Produktion von Vakzinen zu beginnen. "Italien kann von der Impfstoff-Produktion nicht ausgeschlossen bleiben", kommentierte Silvio Garattini, Präsident des Mailänder Pharma-Foschungsintituts "Mario Negri". Bisher hätten lediglich 4,2 Millionen der 60 Millionen Italiener zumindest eine Impfdosis erhalten. Die Impfkampagne müsse zügiger umgesetzt werden.

Sonst dauert es 2,5 Jahre, um alle zu impfen

"Um die Herdenimmunität zu erreichen, müssen wir in Italien 45 Millionen Menschen impfen. Wenn wir nicht beschleunigen, werden wir in diesem Tempo zweieinhalb Jahre brauchen, um die Italiener zu impfen", erklärte Garattini. Andere Varianten könnten sich entwickeln, so dass neue Vakzine notwendig wären. Hinzu müsse man auch die Antibiotika-Resistenz bekämpfen, die in Italien jährlich 10.000 Todesopfer verursache, argumentierte Garattini.

Italien will ab Montag die Corona-Beschränkungen in einigen Teilen des Landes verschärfen. Für die süditalienischen Regionen Basilikata und Molise gilt dann ein Lockdown, während in der wirtschaftsstarken Lombardei sowie den Marchen und dem Piemont die mittel-strengen Regeln der orangen Zone eingeführt werden. Die Insel Sardinien wird erstmals als weiße Zone eingestuft.

Vorgesehen ist, dass dort alle Beschränkungen aus dem Corona-Dekret entfallen und stattdessen spezifische Regeln vereinbart werden. Dafür muss eine Region drei Wochen lang einen Inzidenzwert von unter 50 Fällen je 100.000 Einwohner erreichen. Über die Modalitäten wird mit der Regierung Sardiniens noch verhandelt. Es wäre das erste Mal, dass eine Region in diese Kategorie fällt. (apa)