Österreich und Spanien setzen bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Impfstrategie weiter auf europäische Lösungen. Das stellten Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) und seine spanische Amtskollegin Arancha González Laya am Freitag bei einem Pressegespräch in Wien klar. Beide sprachen sich etwa für eine Forcierung eines EU-Impfzertifikats aus, um die Tourismuswirtschaft spätestens im Sommer wieder in Schwung zu kriegen.

Dieser "Grüne Pass" soll als Nachweis über eine Corona-Impfung, -Immunität oder -Testung dienen und Reisefreiheit in der Urlaubssaison ermöglichen. Der Tourismus sei für beide Länder ein essenzieller Wirtschaftsfaktor, stellten Schallenberg und González Laya klar, daher müsse zusammengearbeitet werden, um möglichst viele Menschen zu impfen und ihnen mithilfe des "Grünen Passes" wieder ein "Gefühl der Freiheit" geben zu können.

"Es läuft nicht alles perfekt

Dabei dürfe es aber keinen "Impfnationalismus" geben, stellten beide klar. Schließlich sei ein Ende der Pandemie erst realistisch, wenn möglich viele Menschen in allen Ländern geimpft worden seien. Wenn es innerhalb der EU zu einer ungleichen Verteilung der Impfstoffe gekommen sei, wie Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am Freitag erklärt hatte, handle es sich Fehler, die bei der gemeinsamen Anstrengung passiert seien. Dabei laufe eben "nicht alles perfekt", wie Schallenberg einräumte, allerdings müsse beachtet werden, dass die Pandemiebekämpfung für alle Beteiligten Neuland sei. "Wir machen das alle zum ersten Mal."

Auch Gónzalez Laya hielt fest, dass beim Kampf gegen Covid "alle gleich" sein müssten. "Es darf keine Bürger zweiter oder dritter Klasse geben." Das gelte aber nicht nur für die europäischen Bürger, vielmehr müsse die Solidarität auch über die Grenzen Europas hinaus gelten. Nicht zuletzt aus Eigeninteresse: "Solange nicht alle sicher sind, ist niemand sicher."

Die 51-jährige Parteilose bekleidete vor ihrer Ernennung zur Außenministerin im Vorjahr niemals ein politisches Amt in Spanien. Sie ist auf EU-Recht, Handel, Wettbewerb und staatliche Beihilfen spezialisiert und war in der EU-Kommission mehrere Jahre in Wirtschaftsfragen engagiert, unter anderem als Beraterin des EU-Kommissars für Außenhandel Pascal Lamy. Sie war von Ministerpräsident Pedro Sánchez (Sozialisten/PSOE) nicht zuletzt wegen ihrer Wirtschaftskompetenz - auch für die internationale Kooperation beim Wiederaufbau nach Corona - in die Regierung geholt worden.