Wegen erneut ansteigender Zahlen bei den Corona-Infektionen hat für Italien am Montag der dritte Lockdown seit Beginn der Pandemie im Februar 2020 begonnen. Regionen mit einem Inzidenzwert von 250 Fällen wechseln automatisch in die höchste, rote Alarmstufe. Dies trifft derzeit auf rund drei Viertel des Landes zu.

Elf der 20 Regionen werden auf der "Corona-Ampel" als rot eingestuft. Alle anderen sind orange mit Ausnahme der Insel Sardinien, die als weiße Region mit lockeren Anti-Corona-Vorlagen gilt. In den roten Regionen sind Schulen, Hochschulen, Cafés und Restaurants geschlossen. Der Verkauf aller nicht dringend benötigten Produkte wird gestoppt. Die Menschen dürfen sich nur innerhalb ihrer Region bewegen. Besuche sind nur einmal am Tag und maximal zu zweit bei einem anderen Haushalt zulässig. Der Reproduktionsfaktor liegt in 16 der 20 Regionen bei über 1. Für das Oster-Wochenende wurde schon jetzt für ganz Italien die Alarmstufe rot festgesetzt.

Zeit der Wende

"Das ist die Zeit der Wende. Die Italiener müssen Verantwortungsbewusstsein beweisen, ansonsten werden wir alles verlieren", sagte der für die Impfkampagne zuständige Regierungskommissar Francesco Figliuolo in einem TV-Interview am Sonntagabend.Die Italiener nutzten das letzte Wochenende vor Beginn des Lockdowns in mehreren Regionen, um in Parks und am Strand spazieren zu gehen und Zeit in Freien zu genießen. Viele speisten zu Mittag in Restaurants vor der am Montag geplanten Schließung von Lokalen und Geschäften. Viele Friseursalons erlebten einen regelrechten Kundenansturm. Die Polizei musste in Rom und Mailand größere Menschenansammlungen auflösen.

Regierungschef Mario Draghi will bis September mindestens 80 Prozent der Bevölkerung gegen das Coronavirus geimpft haben. Laut dem neuen Impfungsplan der Regierung soll die Zahl der täglich verimpften Dosen von 170.000 auf 500.000 gesteigert werden. Die Beschleunigung der Impfungen werde dank der Lieferung von 7,3 Millionen Dosen von Johnson & Johnson-Vakzinen ab Mitte April möglich.

Bis Ende Juni werden 27 Millionen Dosen von Johnson & Johnson in Italien erwartet. Der Impfstoff, mit dem es nur eine Dosis braucht, sei bei niedrigen Temperaturen leicht aufzubewahren und könne die Lieferkürzungen des britisch-schwedischen Pharmakonzerns AstraZeneca kompensieren.

Probleme mit AstraZeneca

Am Sonntag kam es erneut zu Problemen mit dem AstraZeneca-Vakzin. Nach dem Tod eines 57-jährigen Lehrers aus der norditalienischen Stadt Biella hat die Region Piemont die Corona-Impfungen mit einer Charge des AstraZeneca-Präparats vorübergehend ausgesetzt. Nach Angaben der Gesundheitsbehörden starb der Mann, nachdem er am Vortag mit dem AstraZeneca-Vakzin geimpft wurde. Bis klar sei, ob es einen ursächlichen Zusammenhang zwischen dem Todesfall und der Impfung gebe, würden die Impfungen vorläufig gestoppt, sagte der Gesundheitsbeamte des Piemonts Luigi Genesio Icardi.

Die Staatsanwaltschaft von Bologna leitete eine Untersuchung nach dem Tod eines stellvertretenden Schuldirektors ein, der zehn Tage nach seiner Immunisierung mit dem AstraZeneca-Impfstoff in seinem Bett tot aufgefunden worden war. Die Justiz ermittelt bereits um weitere fünf Todesfälle, die mit der AstraZeneca-Impfung zusammenhängen könnten. Italiens Arzneibehörde AIFA hatte am Donnerstag eine AstraZeneca-Charge eingezogen, nachdem zwei Militärs auf Sizilien nach der Impfung gestorben waren.

Italiens Premier Draghi will die unter der Corona-Pandemie leidende Konjunktur mit zusätzlichen staatlichen Mitteln ankurbeln. Diese Woche will der Ministerpräsident ein Stützungspaket für die Wirtschaft mit Maßnahmen in der Größenordnung von 32 Mrd. Euro vorstellen. (apa)