In Serbien wird ein neuer Lockdown verhängt. Wie das Internetportal "Nova.rs" berichtete, sollen ab Mittwoch bis über das Wochenende nur Nahrungsmittelgeschäfte, Apotheken und Tankstellen geöffnet sein. Alle restlichen Geschäfte bleiben geschlossen. Dies gilt auch für das Gastgewerbe. Seit zwei Wochen bereits findet der Unterricht in Mittelschulen in Homeschooling-System statt, seit der Vorwoche auch für Schüler der höheren Volksschulklassen (elf bis 15 Jahre).

Der Lockdown soll nach Angaben von Ministerpräsidentin Ana Brnabic zunächst bis Montag gelten. Die Verhängung einer Ausgangssperre schloss Brnabic am Dienstag vorerst aus, sie forderte ihre Landsleute allerdings zu "maximaler Disziplin" auf, um die Maßnahmen nicht verlängern zu müssen. Die Regierung hatte sich für den Lockdown nach mehrtägigem Zögern und immer lauter werdenden Appellen von Ärzten entschlossen. Diese fordern allerdings angesichts der Situation einen zweiwöchigen Lockdown.

Trotz sehr erfolgreichem Impfprozess ist Serbien seit Tagen mit steigenden Zahlen bei den Corona-Neuinfektionen konfrontiert. Wie der Staatssekretär im Gesundheitsministerium, Mirsad Djerlek, für den TV-Sender RTS präzisierte, seien in Belgrad derzeit alle Spitalskapazitäten für die Covid-Patienten ausgelastet. Neue Krankenhausaufnahmen wären nur bei Entlassung von derzeitigen Patienten möglich. Auch würden einige Einrichtungen, die derzeit im Normalbetrieb arbeiten, erneut in Covid-Krankenhäuser umgewandelt werden müssen.

In Serbien mit knapp sieben Millionen Einwohnern wurden seit dem Ausbruch der Pandemie vor gerade einem Jahr an die 520.000 Krankheitsfälle registriert, 4.747 Menschen sind bis Montag der Krankheit erlegen. Seit Tagen bewegt sich der Zahl der neuen Fälle bei über 4.500, am Montag wurden 28 neue Todesfälle gemeldet.

Bandbreite an Impfstoffen

Landesweit wurden unterdessen über 2.040.000 Menschen bereits geimpft, fast 800.000 haben auch schon die zweite Dosis empfangen. Serbien nimmt in Europa somit den zweiten Platz hinter Großbritannien ein.

Der Mehrheit der Geimpften wurde das Sinopharm-Vakzin verabreicht. Davon hat Serbien bereits zwei Millionen Dosen erhalten. Zur Verfügung stehen auch die Pfizer-, Sputnik-V- und AstraZeneka-Vakzine.

Für große Aufregung und negative Reaktionen führender serbischer Politiker hatte am Wochenende eine mögliche Einführung von EU-Impfpässen gesorgt. Man befürchtete Reiseprobleme für die mit Sinopharm oder Sputnik-V geimpften Bürger Serbiens. Er selbst werde sich mit Sinopharm impfen lassen, verkündete Präsident Aleksandar Vucic sichtbar verärgert. Brnabic sprach vom " Verstoß gegen die grundlegenden europäischen Werte". Inzwischen hat sich die Aufregung gelegt. (apa)