Die EU hat nach den Worten von Binnenmarktkommissar Thierry Breton "absolut keinen Bedarf" für den russischen Corona-Impfstoff Sputnik V. Man könne bis Mitte Juli eine EU-weite Immunisierung mit Vakzinen aus europäischer Produktion erreichen, sagt Breton dem Sender TF1. Sputnik V ist bisher nicht von der EU-Arzneimittelbehörde EMA zugelassen. Auf Basis nationalen Vorgehens nutzen zumindest Ungarn, die Slowakei, Tschechien sowie Italien ihn bereits oder wollen ihn nutzen.

Auch Österreich hatte mehrere Kontakte mit Russland, bei denen es um eine mögliche Lieferung des russischen Corona-Impfstoffs und eine etwaige Produktion in Österreich ging. In Rom soll das russische Vakzin Sputnik V in dem auf Infektionskrankheiten spezialisierten Krankenhaus "Lazzaro Spallanzani" in einigen Tagen getestet werden. In Italien ist noch vor der EU-Zulassung des russischen Impfstoffs der Bau der ersten europäischen Produktionsstätte des Vakzins geplant. In Ungarn wird bereits mit Sputnik V geimpft. In der Slowakei führte ein Streit um die Anschaffung von Sputnik V zum Fall der Regierung. Zugleich hat der bisherige Prozess auf EU-Ebene zur Versorgung der EU-Länder mit Impfstoff - Ankauf, Verteilungsmechanismus und Lieferschwierigkeiten der Pharmafirmen - Kritik auf sich gezogen, u.a. vonseiten Österreichs.

Wie der Franzose Breton weiters sagte, kann in der EU bis Mitte Juli eine Herdenimmunität gegen das Coronavirus erreicht werden. "Die Impfstoffe kommen, sie werden da sein", versicherte er. Zwischen März und Juni werde die EU zwischen 300 und 350 Millionen Impfdosen an die Mitgliedstaaten liefern. Der Binnenmarktkommissar stellte ein ständig wachsendes Volumen der Lieferungen von 60 Millionen Dosen im März auf 100 Millionen im April und 120 Millionen im Mai in Aussicht. Inzwischen werde in 55 Werken in Europa Corona-Impfstoff hergestellt. (apa)