Bratislava. Nach der Rücktrittsankündigung des slowakischen Ministerpräsidenten Igor Matovic soll dessen Posten nun der bisherige Finanzminister Eduard Heger übernehmen. Matovic wird im Gegenzug Finanzminister. Er hatte zuvor eigenmächtig ein Kontingent Sputnik-V-Impfstoff bestellt und war dadurch in Konflikt mit seinen Koalitionspartnern geraten.

Heger ist erst im März 2016 als 39-Jähriger in die Politik eingestiegen. Fünf Jahre danach steht der eher unauffällige Manager und überzeugte Christ am Höhepunkt seiner Karriere.

Als er sich bei den vorletzten Parlamentswahlen erstmals um ein Mandat im Nationalrat der Slowakei beworben hatte, stand auf der Kandidatenliste seiner Partei Olano neben seinem Namen der Beruf Ökonom und "christlicher Aktivist". Wohl auch das hatte dem unbekannten Quereinsteiger im katholisch geprägten Land beim Urnengang mehr als 15.000 Vorzugsstimmen beschert - genug, um es ins Parlament zu schaffen. Wäre dies nicht gelungen, hätte vom späteren Vizepremier und Finanzminister, der aktuell auch mit der Leitung des Bildungs- und des Gesundheitsressorts beauftragt ist, kaum jemand mehr etwas gehört.

Im Wodka-Geschäft

Denn die Berufskarriere des heute 44-jährigen, verheirateten vierfachen Vaters erscheint auf den ersten Blick eher uninteressant. Handel und Marketing studierte er an der Wirtschaftswissenschaftlichen Universität in seiner Heimatstadt Bratislava, abgeschlossen hat er sein Studium im Jahr 1999. Danach arbeitete er überwiegend auf Managerposten in der Privatwirtschaft, meist in Kleinfirmen wie Intercomp Imex, die sich dem Import von Wasserhähnen widmete. Zwischen den Jahren 2001 und 2005 war Heger Junior Consultant der Cubic Application Inc., eines Beraterteams, das für das slowakische Verteidigungsministerium tätig war. Zwischen 2005 und 2007 war er Manager der zur katholischen Kirche gehörenden Gemeinschaft beim St.-Martins-Dom in Bratislava, der er bis heute angehört.

Den längsten Teil seines Berufslebens verbrachte Heger in der Old Nassau Imports LLC. des liberalen Politikers und aktuellen Regionalpräsidenten des Selbstverwaltungskreises Bratislava, Juraj Droba. In der Exportfirma, die Luxus-Wodka aus dem ostslowakischen Stara Lubovna in die USA exportierte, war er zwischen 2007 und 2016 Manager. Heger und Droba waren sich einst in den USA begegnet, wo Heger arbeitete und Droba studierte. Heger selbst bezeichnet sich als konvertierten Katholiken. Aufgewachsen sei er in einer atheistischen Familie, zu Gott habe er erst nach dem Tod seines Vaters als 23-Jähriger gefunden.

Rational und beliebt

Heger zählt nicht zu den Gründungsmitgliedern der Partei Olano. Als die Gruppierung bei der Parlamentswahl im Vorjahr mit mehr als 25 Prozent der Stimmen und 53 Mandaten den Wahlsieg erreichte, gehörte er aber bereits zu den klaren Favoriten für einen der Ministerposten in der neuen Regierung. In Hinblick auf seine Sprachkenntnisse und seine Managererfahrung war Heger für den neu gewählten Premier Matovic die klare Wahl für den Posten des Finanzministers.

Sein Wirken in dem Ressort verlief reibungslos. So schaffte Heger es, sein erstes Staatsbudget durchzusetzen, und bei den Beamten ist er beliebt.(apa)