Auf der größten Insel der Welt, Grönland, wird am kommenden Dienstag (6.4.) ein neues Parlament (Inatsisartut) gewählt. Die vorgezogene Neuwahl wurde notwendig, als ein Koalitionspartner die Regierung verließ und die den Ministerpräsidenten stellenden Sozialdemokraten (Siumut) die Mehrheit verloren.

Ausschlaggebend für den Koalitionsbruch der Sozialliberalen (Demokraatit) Mitte Februar war unter anderem ein umstrittenes Bergbauprojekt im Süden Grönlands. Wenn es nach dem australischen Bergbauunternehmen Greenland Minerals geht, die das Projekt seit 14 Jahren verfolgt, sollen künftig in Kuannersuit Seltene Erden und Uran in großem Stil abgebaut werden. Die Genehmigungsverfahren sind immer noch in Schwebe.

Greenland Minerals verspricht über 700 Arbeitsplätze und einen jährlichen Gewinn von rund 200 Millionen Euro für das grönländische Budget. Die Befürworter des Projektes in Grönland erwarten sich davon einen wichtigen Beitrag, um sich eines Tages die Unabhängigkeit von Dänemark leisten zu können.

Die Gegner des Projekts sowie internationale Umweltorganisationen befürchten hingegen, dass durch den geplanten Tagbau, bei dem unter anderem das radioaktive Element Thorium als Abraum anfällt, die Umgebung für lange Zeit verstrahlt werden könnte. Andere innenpolitische Themen sind der weitgehend bereits beschlossene Bau zweier neuer Flughäfen, Fischereifragen sowie und verschiedene sozial- und bildungspolitische Belange.

Strategische Begehrlichkeiten von anderen

Grönland hat in den letzten Jahren international im Zusammenhang mit der Klimaerwärmung für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Das immer schnellere Abschmelzen des grönländischen Eisschildes könnte den Anstieg des Meeresspiegels drastisch beschleunigen, so vermutet man. Die Nordatlantikinsel, die geografisch zu Nordamerika gehört, als dänisches Autonomiegebiet politisch jedoch in Europa verankert ist, steht auch aus anderen Gründen im Zentrum globaler und regionaler Interessen.

Die politische Bedeutung der weltgrößten Insel wurde im Sommer 2019 klar, als der damalige US-Präsident Donald Trump öffentlich einen Kauf Grönlands durch die USA ins Spiel brachte. Dies wäre aus strategischen Gründen "sehr nett" für Washington, so Trump. Die dänische Regierung wies die Avancen umgehend als "absurd" zurück.

Die USA verfügen seit dem Zweiten Weltkrieg im äußersten Nordwesten der Insel über eine Luftwaffenbasis. Die Thule Air Base war im Kalten Krieg von großer Bedeutung - als Frühwarnzentrale für mögliche nukleare Angriffe ebenso wie als Stützpunkt für Langstreckenbomber. Die Basis war in der Vergangenheit einerseits Gegenstand von Kontroversen - etwa die jahrzehntelangen Prozesse um Entschädigungszahlungen an Opfer der Zwangsumsiedlungen von 1953 oder der geheimnisumwitterte Absturz eines B-52 Bombers mit vier Atombomben an Bord in der Nähe der Basis im Jahr 1968.

Andererseits verdiente Grönland in Form eines Servicevertrags gutes Geld mit der Basis. Als 2014 plötzlich eine US-amerikanische Firma den Zuschlag für den Unterhalt der Basis erhielt, war die Empörung in Nuuk und Kopenhagen groß. Erst im vergangenen Herbst konnte ein neues Abkommen mit Washington ausverhandelt werden, das künftig wieder dänisch-grönländischen Firmen ermöglicht, mit der Basis Geld zu verdienen.

Bodenschätze ziehen Investoren an

Grönland ist reich an teils nachgewiesenen, teils vermuteten Bodenschätzen, die bisher kaum abgebaut wurden. Dieser Umstand hat in den vergangenen Jahrzehnten Bergbau-Unternehmen aus aller Welt motiviert, auf Grönland zu setzen. Zu ihnen gehört die eben auch die australische Gesellschaft Greenland Minerals.

Neben massiven Umweltbedenken gibt es noch einen anderen Grund, warum das Projekt nicht nur bei Einheimischen und Umweltschützern für Argwohn und Ablehnung sorgt. Einer der Teilhaber an Greenland Minerals ist nämlich die chinesische Shanghe Resource Holding. China ist zudem bei mindestens zwei anderen Abbauprojekten - einem Eisenvorkommen nordwestlich von Nuuk und einem geplanten Zinkabbau im Citronen Fjord im äußersten Norden - direkt involviert.

Bereits in der Vergangenheit hat Dänemark klar gemacht, dass es mit derartiger Einmischung aus dem Fernen Osten in seinem Bereich keine Freude hat. Als vor einigen Jahren China anbot, die bereits in Bau befindlichen, neuen internationalen Flughäfen in Nuuk und Ilulissat zu finanzieren, sprang Kopenhagen selbst in die Bresche und steuerte die notwendigen Mittel bei.

Chinesischer Einfluss vor US-Haustür

Auch die USA haben mehrmals deutlich gemacht, dass sie keine chinesischen Investitionen vor ihrer nordöstlichen Haustüre haben wollen. Um ihre Position in Grönland zu markieren, eröffneten die USA vergangenen Juni ein Konsulat in Nuuk. Kurz davor hatte Washington Beihilfen für die Entwicklung von Bergbau, Tourismus und Bildungswesen in der Höhe von 12,1 Millionen Dollar (10,27 Millionen Euro) angekündigt.

Bei den Grönländern selbst spielen derartige geopolitische Sandkastenspiele so gut wie keine Rolle. Laut einer im Februar veröffentlichten Umfrage drehen sich die Gedanken der Inselbewohner vielmehr um Arbeitslosigkeit, teuere Waren und generelle wirtschaftliche Sorgen. Da spielt selbst die von den meisten angestrebte vollständige Unabhängigkeit von Dänemark eine untergeordnete Rolle.

Maria Ackren, Politologin an der Universität von Grönland in Nuuk, erinnert daran, dass bis heute niemand weiß, wie die Unabhängigkeit finanziert werden soll. "Grönlands Wirtschaft geht es ja im Augenblick nicht so gut. Da geht es fast ausschließlich um den Fischfang, der rund 90 Prozent der ganzen Wirtschaftsleistung ausmacht." Sie betont die hohen Kosten, die geplante Bergbau- und Infrastrukturprojekte schon im Vorfeld verursachen - noch bevor sie überhaupt irgendeinen Profit abwerfen können: "Die Zuschüsse von Dänemark reichen gerade dazu aus, die Autonomie am Laufen zu halten." Es sei also ganz natürlich, dass sich die Grönländer in China und anderswo um Investitionen umsähen.

Die nun stattfindenden, vorgezogenen Neuwahlen in Grönland könnten also eine Art Weichenstellung bringen. Sollten die Gegner des umstrittenen Kuannersuit-Projekts gewinnen und das Projekt in der Folge blockieren, könnte sich das auch negativ auf die Bereitschaft anderer auswirken, in den grönländischen Bergbau zu investieren. Dann müsste Grönland wohl andere Wege suchen, etwa in der verstärkten Entwicklung des Tourismus, um sich die ersehnte Unabhängigkeit von Kopenhagen eines Tages leisten zu können.