Ungarische Journalisten haben der Regierung von Ministerpräsident Viktor Orbán vorgeworfen, durch Medienauflagen das ganze Ausmaß der Coronavirus-Pandemie zu verschleiern. In einem am Mittwoch von 28 unabhängigen Medien veröffentlichten Brief hieß es, die Presse werde von Krankenhäusern ausgesperrt und daran gehindert, mit Medizinern zu sprechen. Regierungssprecher Zoltán Kovács lehnte eine Lockerung der Regeln ab.

 In Krankenhäusern sollte man "heilen, nicht filmen", schrieb Kovács am Mittwoch auf Facebook. Er warf "linken Portalen" vor, Falschnachrichten zu verbreiten, um das Gesundheitssystem des Landes zu kompromittieren. Die Menschenrechtskommissarin des Europarats, Dunja Mijatović, hatte am Dienstag erklärt, die Corona-Berichterstattung in Ungarn werde immer schwieriger.

In dem Land mit knapp zehn Millionen Einwohnern wurden am Dienstag 302 neue Todesfälle gemeldet. Das ist die höchste Zahl seit dem Beginn der Pandemie und auf Wochensicht gegenwärtig der größte Anteil pro 1 Million Einwohner weltweit. Ärzte, die namentlich nicht genannt werden wollten, haben der Nachrichtenagentur Reuters berichtet, dass die Krankenhäuser überfüllt sind. Die Regierung dementiert fehlende Kapazitäten. Den staatlichen Medien zufolge ist die Situation in den Krankenhäusern unter Kontrolle. (apa, reuters)