Prag. Vor allem die erste Welle hatten die Länder in Osteuropa gut überstanden. Dank rascher und konsequent umgesetzter Maßnahmen blieb die Zahl der Ansteckungen und der Corona-Toten im Frühling relativ niedrig. Entsprechend hart war daher auch das Erwachen im Herbst, als wochenlange Lockdowns verhängt werden mussten, die Zahl der Opfer aber dennoch dramatisch anstieg.

In Ländern wie Tschechien, Polen oder Ungarn könnte die aktuell grassierende dritte Welle die Ausbrüche zwischen Oktober und Dezember aber nochmals deutlich in den Schatten stellen. So war der zurückliegende März in Tschechien der Monat mit den meisten Corona-Todesfällen seit Beginn der Pandemie. Wie am Donnerstag aus Zahlen des Gesundheitsministeriums in Prag hervorging, starben 5.779 Menschen, die zuvor positiv auf das Virus Sars-CoV-2 getestet worden waren. Das waren an die 800 Menschen mehr als auf dem Höhepunkt der zweiten Welle im November, im bisher schlimmsten Monat mit Blick auf die Todeszahlen.

Seit Pandemiebeginn gab es in Tschechien mit seinen rund 10,7 Millionen Einwohnern insgesamt 26.586 Todesfälle. Vor den Feiertagen rief Gesundheitsminister Jan Blatny daher die Bürger auf, die Corona-Schutzmaßnahmen trotz des warmen Wetters einzuhalten. "Wenn die Leute über Ostern die Ketten abschütteln, dann stehen wir vor einem großen Schlamassel", sagte der 51-Jährige vor Abgeordneten in Prag. Derzeit dürfen die Menschen ihren Wohnbezirk nach wie vor nur in Ausnahmefällen verlassen. Dennoch haben sich innerhalb der vergangenen sieben Tagen mehr als 400 Menschen je 100.000 Einwohner neu angesteckt.

Einen traurigen Rekord vermeldet derzeit auch Polen. Dort sind innerhalb von 24 Stunden 35.251 neue Corona-Fälle hinzugekommen, wie das Gesundheitsministerium am Donnerstag mitteilte. Der bisherige Höchststand war mit 35.143 erst Ende der vergangenen Woche erreicht worden.

Damit steigt die Zahl der bestätigten Ansteckungen in dem Land mit 38 Millionen Einwohnern binnen 24 Stunden auf mehr als 2,356 Millionen. 53.665 Todesfälle in Verbindung mit dem Virus wurden bisher registriert, davon allein 621 innerhalb von 24 Stunden. Die 14-Tages-Inzidenz liegt in Polen laut aktuellem Wert der EU-Gesundheitsbehörde ECDC bei 717. Viele Krankenhäuser arbeiten am Rande ihrer Kapazität. Gesundheitsminister Adam Niedzielski hatte bereits am Mittwoch angekündigt, dass noch vor Ostern bis zu 170 Covid-Patienten aus dem besonders betroffenen Schlesien in Kliniken in andere Regionen gebracht werden sollen - viele von ihnen auf dem Luftweg.

An den Kapazitätsgrenzen befindet sich derzeit auch Ungarn. Trotz der rasch voranschreitenden Impfkampagne, in deren Zuge bisher mehr als zwei Millionen Erststiche und knapp 750.000 Zweitstiche verabreicht wurden, ist dort mit 302 Verstorbenen in 24 Stunden zuletzt ein neuer Höchstwert bei den Corona-Toten verzeichnet worden. Mit 20.737 Opfern liegt das knapp zehn Millionen Einwohner zählende Ungarn schon jetzt an der Spitze der Länder mit der höchsten Covid-Sterberate pro Einwohner.

Viele Mediziner befürchten zudem noch einen weiteren und deutlich ausfallenden Anstieg. In den ungarischen Spitälern befinden sich derzeit 12.346 Corona-Patienten, 1.492 davon müssen künstlich beatmet werden.