Bis Ende Juni will die Stadt Wien 60 Prozent der impfbaren Bevölkerung zumindest eine erste Corona-Impfung anbieten. Ursprünglich waren 70 Prozent eingeplant, wegen Lieferverkürzungen bei AstraZeneca wurde dies aber kürzlich deutlich nach unten korrigiert. Dazu gesagt sei: In Wien haben sich aktuell rund 45 Prozent der impfbaren Bevölkerung vorgemerkt.

Eine im Internet aufgetauchte Tabelle, mutmaßlich eine Tischvorlage, die den EU-Botschaftern beim Aushandeln der Aufteilung von zusätzlichen 10 Millionen Dosen von Biontech/Pfizer diente, sorgte aber am Wochenende für Aufregung, da aus dieser Tabelle hervorgeht, dass Österreich bis Ende Juni nur mit einer Durchimpfungsrate von rund 50 Prozent rechnen dürfe.

Dass es zwischen den einzelnen Mitgliedsstaaten wieder zu vermutlich größeren Unterschieden kommen wird, ist unvermeidlich. Man hatte sich zwar bei der Aufteilung der Zusatzdosen - weitgehend - auf eine Pro-Kopf-Lieferung verständigt, die Aufteilung der normalen Tranchen der diversen Impfstoffe, die in der Regel im Wochentakt an die einzelnen Länder gehen, erfolgt aber wie gehabt nach Bestellmenge. Daher gilt: Wer das volle Kontingent gekauft wird, erhält jede Woche einen etwas höheren Anteil als jene Länder, die von einem bestimmten Hersteller weniger geordert hatten. Bei Biontech/Pfizer ist Österreich nur gering betroffen, beim Impfstoff von Johnson&Johnson, der noch im April erstmals ausgeliefert werden sollte, allerdings schon. Österreich rief hier nur 67 Prozent des möglichen Kontingents ab, da man insgesamt, so die Argumentation, bereits ausreichend Impfstoff für die gesamte Bevölkerung eingekauft hatte.

Dass dies dazu führt, dass im Juni tatsächlich nur knapp 51 Prozent geimpft werden können, scheint aber nicht ganz plausibel. Im Gesundheitsministerium will man die Liste, die kein offizielles Dokument ist, nicht kommentieren, erklärt aber, dass man "zum aktuellen Zeitpunkt davon ausgehe, dass das Ziel, zwei Drittel der impfbaren Bevölkerung bis Ende Juni/Anfang Juli mit dem ersten Stich zu impfen, weiterhin erreichbar ist.

Malta weit vorne

Ob nun 66 Prozent oder nur knapp über 51 Prozent der Personen geimpft worden sind, machen im EU-Vergleich einen großen Unterschied. In der ersten Variante würde Österreich auf Platz drei liegen, in der zweiten wären nur sechs andere Unionsländer schlechter gereiht.

Unbestritten am erfolgreichsten ist Malta. 93 von 100 Bürgern der kleinen Mittelmeerinsel sollen bis Ende Juni das Vakzin erhalten. Verantwortlich für den Erfolg ist das engmaschige Netz staatlicher Gesundheitszentren, in denen die Impfung kostenlos und freiwillig erfolgt. Außerdem sicherte sich Malta für seine rund 515.000 Einwohner die maximal mögliche Zahl von Impfdosen. Im Jänner war es der erste EU-Staat, in dem der Impfstoff von Moderna eintraf.

Diesen Vorsprung will Malta in der für das Land so wichtigen Tourismusbranche nutzen. Ab Juni sollen die Einreisebeschränkungen für geimpfte Flug- und Schiffspassagiere gelockert werden, erklärte Tourismus-Minister Clayton Bartolo in der vergangenen Woche. Die Gegenwart ist trotz des Impffortschritts noch nicht rosig: Auch in Malta sind die Infektionszahlen zuletzt stark gestiegen. Die Regierung verhängte daher einen Lockdown, der zumindest bis Ende dieser Woche gilt. Restaurants und Bars sowie alle nicht essenziellen Geschäft bleiben geschlossen.

Hinter Malta an zweiter Stelle rangiert Dänemark beim Impfen, acht von zehn Einwohnern sollen es Ende des zweiten Quartals sein. Dank zentral gespeicherter Patientendaten wurden alle Bürger angeschrieben und konnten online ihren Termin in einem der 30 Impfzentren buchen. Auch streckten die Behörden früh den Abstand zwischen den Impfungen auf sechs Wochen, wodurch bereits im Jänner deutlich mehr Personen als im EU-Schnitt das Corona-Vakzin verabreicht werden konnte. Weil sich Dänemark auch frühzeitig auf die dritte Infektionswelle eingestellt hat, verläuft diese weniger stark als in vielen anderen EU-Staaten. 88 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in den vergangenen sieben Tage bedeuten weniger als ein Drittel des österreichischen Wertes.

Sorgenkinder bleiben

Nach Ostern wurden daher vorsichtige Öffnungsschritte eingeleitet. Dienstleiter wie Frisöre dürfen wieder öffnen, selbstverständlich unter Einhaltung der gängigen Regeln wie Maskenpflicht. Läuft alles nach Plan, treten alle 14 Tage Lockerungen in Kraft. So sollen die Gastgärten am 21. April geöffnet werden, ebenso wie Museen und Büchereien. Zwei weitere Wochen später sollen Lokale auch im Innenraum aufsperren. Für die Umsetzung der langfristigen Pläne suchte Ministerpräsidenten Mette Frederiksen breiten Konsens im Parlament und einigte sich mit fast allen im Folketing vertretenen Parteien.

Sorgen bereitet hingegen die Lage in drei jüngeren EU-Mitgliedern: Bulgarien, Kroatien und der Slowakei. Sie profitieren zwar am meisten vom zusätzlichen Impfstoff von Biontech/Pfizer. Die EU-Länder einigten sich vergangene Woche, 2,85 Millionen Dosen nicht nach dem Bevölkerungsschlüssel, sondern nach Bedarf zu verteilen. Davon gehen 2,4 Millionen an die drei Länder. Laut EU-Berechnungen werden Bulgarien, Kroatien und der Slowakei dennoch Ende Juni die Schlusslichter bilden mit nur je 45 Prozent Geimpften.