Der tschechische Premier Andrej Babis hat am Mittwoch seinen Gesundheitsminister ausgetauscht. Nachdem Medien schon seit längerem spekulierten, wurde der bisherige Ressortchef Jan Blatny abberufen und durch Petr Arenberger, dem bisherigen Chef einer Prager Klinik, ersetzt. Einer der Hauptgründe war Blatnys zurückhaltende Haltung zu dem russischen Vakzin Sputnik V. Staatspräsident Milos Zeman ernannte offiziell Arenberger in einer Zeremonie auf der Prager Burg.

Sowohl Babis als auch Zeman kritisierten Blatny. Der Gesundheitsminister könnte den Einsatz des russischen Impfstoffes mit einer Ausnahmeregelung erlauben, obwohl das Vakzin von der EU-Arzneimittelbehörde EMA noch nicht zugelassen wurde. Blatny lehnte dies aber wiederholt ab, gerade mit der Begründung, dass der russische Impfstoff von der EMA noch nicht gebilligt worden sei.

Blatny: Habe reines Gewissen

Blatny erklärte auf einer Abschiedspressekonferenz, er nehme seine Abberufung als eine "politische Entscheidung" wahr, zu welcher der Premier berechtigt sei. Er, Blatny, habe ein "reines Gewissen". Er habe die Sicherheit nur von jenen Impfstoffen und Medikamenten garantieren können, die offiziell zugelassen wurden.

Der Austausch an der Spitze des Gesundheitsministerium erfolgt in einer Zeit, in der die Infektionszahlen in Tschechien andauernd sinken. Am gestrigen Dienstag wurden 5.522 Neuinfektionen registriert, um rund 3.500 weniger im Wochenvergleich. Dies ermunterte die Regierung zu vorsichtigen Öffnungsschritten. Beispielsweise werden ab kommendem Montag die Schulen und Kindergärten zum Teil geöffnet. Auch einige Geschäfte und Dienstleister können ab demselben Termin ihre Pforten öffnen. Die Restaurants bleiben nach wie vor geschlossen. Der nationale Notstand geht am 11. April zu Ende. (apa)