Marcelo Rebelo de Sousa zeigte sich optimistisch. Portugals Präsident hofft darauf, dass es das allerletzte Mal sein wird, wenn das Parlament in Lissabon in der kommenden Woche den seit November geltenden Corona-Alarmzustand verlängert. Im Mai, meint Rebelo de Sousa, dürfte dann der Moment für weitere Lockerungen der Lockdown-Maßnahmen sein. Dank rigider Schließungen scheint dem Neun-Millionen-Einwohner-Land im äußersten Südwesten Europas die Kehrtwende zu gelingen.

So positive Perspektiven hätten sich vor drei Monaten selbst die größten Optimisten nicht erträumt. Mitte Jänner gehörte Portugal noch zu einem der weltweiten Corona-Hotspots. Mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von fast 900 Fällen pro 100.000 Einwohner verzeichnete das Land die höchste Ansteckungsrate der Welt.

Die Intensivstationen waren zu 94 Prozent belegt. Die Bilder dutzender Krankenwagen, die mit Covid-Patienten stundenlang vor der Notaufnahme des Lissabonner Hospitals Santa Maria warten mussten, bis Betten frei wurden, gingen um die Welt. Die Leichenhallen waren überfüllt. Im Jänner verzeichnete Portugal fast 5.600 Covid-Opfer - rund 44 Prozent aller Corona-Toten seit Ausbruch der Pandemie.

So gut wie alles war zu

Mit täglich mehr als 13.000 Neuinfektionen und 300 Covid-Opfern befand sich das Gesundheitssystem Portugals vor dem Kollaps. Die Lage war so dramatisch, dass die Regierung Mitte Jänner seine europäischen Nachbarn um Hilfe bat. Während Deutschland Ärzte und Sanitäter der Bundeswehr nach Lissabon schickte, erklärten sich Österreich und Spanien bereit, schwerkranke Covid-Patienten zu übernehmen.

Nur drei Monate später sieht die Situation völlig anders aus. Mit einem Sieben-Tage-Inzidenzwert unter 30 Fällen pro 100.000 Einwohner steht Portugal nach Island am besten von allen europäischen Staaten da. Wie ist dem Urlaubsland am Atlantik so schnell die Kehrtwende gelungen?

Die Antwort scheint einfach: Mit einem harten und landesweiten Lockdown. So gut wie alles wurde geschlossen. Eine 24-Stunden-Ausgangssperre galt für alle Bürger, die nur aus zwingendem Grund, etwa zum Einkaufen oder Arbeiten, die Wohnung verlassen durften. Die Regierung verpflichtete alle Unternehmen, so weit wie möglich Homeoffice anzubieten. Schulen, Universitäten, Gastronomie und Handel - außer Supermärkten - mussten schließen.

Spaziergänge und Sport an der frischen Luft waren nur für kurze Zeit und im Umfeld der eigenen Wohnung erlaubt. Generell durften die Portugiesen, bis auf ganz wenige regionale Unterschiede, den eigenen Landkreis an Wochenenden nicht verlassen. Kontakte waren auf den eigenen Haushalt beschränkt. Die Polizei überwachte die Einhaltung der Lockdown-Regeln streng.

Mitte April ins Theater

Um die rasant steigende Pandemie zu stoppen, riegelte sich das Land auch nach außen zwei Wochen lang komplett ab. Ein- und Ausreisen ohne triftigen Grund wurden verboten. Selbst die Landgrenze zu Spanien wird erst langsam wieder geöffnet. Die Rechnung der Regierung ging auf, auch wenn die europaweit striktesten Lockdown-Regeln sehr schmerzhaft für die Bevölkerung waren. Nun will Portugals sozialistischer Ministerpräsident Antonio Costa sein Land langsam wieder in eine Normalität führen. Straßencafés und Restaurantterrassen dürfen unter der Woche wieder bis 22.30 Uhr öffnen, am Wochenende aber nur bis 13 Uhr. Maximal sind vier Personen pro Tisch erlaubt.

Auch kleine Geschäfte bis 200 Quadratmeter und Museen öffnen wieder. Kinder bis 15 Jahre sollen wieder Präsenzunterricht bekommen. Der Zwang zum Homeoffice bleibt. Mitte April sollen dann Kinos und Theater wieder Besucher empfangen dürfen. Schließlich ist für Anfang Mai der vorerst letzte Lockerungsschritt vorgesehen - und zwar die Öffnung von Innenräumen der Restaurants und Cafés für bis zu sechs Personen.

"Die Öffnung muss sehr vorsichtig geschehen", warnte Portugals Regierungschef Costa seine Landsleute. "Wir können kein Risiko eingehen, und wir dürfen das Erreichte nicht aufs Spiel setzen." Doch nur wenige Portugiesen hörten zu Ostern auf seinen Appell. Die Terrassen der Straßencafés und Restaurants in Lissabon und Porto waren voll. So wird sich in den kommenden Wochen zeigen, ob das "portugiesische Corona-Wunder" möglicherweise doch nicht von Dauer sein dürfte. Vor allem die Urlaubsküste Algarve und die Ferieninsel Madeira machen sich Sorgen. Dort gehen die Ansteckungskurven schon wieder nach oben.(apa)