Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird einen Wechsel der Impfstoffe zwischen der ersten und der zweiten Dosis vorerst nicht empfehlen. Die bisherigen Daten reichten nicht aus, um sagen zu können, ob dies getan werden könne oder nicht, sagte WHO-Sprecherin Margaret Harris am Freitag in Genf. In Berlin hatte die Ständige Impfkommission zuvor mitgeteilt, dass sie Kreuzimpfungen mit AstraZeneca und einem anderen Vakzin für unbedenklich hält.

Frankreich wird Insidern zufolge nach einer Erstimpfung mit dem umstrittenen Mittel von AstraZeneca bei unter 55-Jährigen sehr wohl eine Zweitimpfung mit einem anderen Mittel empfehlen. Die zuständige Behörde HAS werde dies am Freitag ankündigen, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag von zwei mit den Plänen vertrauten Personen. Das zweite Mittel solle ein mRNA-Impfstoff sein, wie er von Pfizer/BioNTech und Moderna angeboten wird.

Eine HAS-Sprecherin lehnte eine Stellungnahme ab. Die Empfehlung würde der in Deutschland ähneln, wo die Altersgrenze allerdings bei 60 Jahren liegt.

Niederlande weichen ab

Die Niederlande werden weiterhin Personen jünger als 60 Jahre nicht mit dem Astrazeneca-Präparat impfen. Das entschied Gesundheitsminister Hugo de Jonge am Donnerstagabend in Den Haag. Damit weicht er von einer Empfehlung der EU-Arzneimittelbehörde (EMA) ab, die sich am Mittwoch weiterhin für eine uneingeschränkte Nutzung des Impfstoffes ausgesprochen hatte. Grund sind seltene Fälle von Blutgerinnseln in Hirnvenen nach einer Astrazeneca-Impfung. Das Land hatte bereits vor der EMA-Entscheidung die Nutzung des Impfstoffes eingeschränkt.

Der Minister betonte zwar, dass diese Hirnthrombosen sehr selten aufträten und vor allem bei Menschen jünger als 60 Jahre. "Die Sicherheit des Vakzins muss aber über jeden Zweifel erhaben sein", sagte de Jonge. In den Niederlanden waren nach rund 400.000 Impfungen acht Verdachtsfälle von Hirnvenenthrombosen gemeldet worden, darunter ein Todesfall. Der Impfstoff sei aber "gut und sicher" für Ältere, sagte de Jonge. Für sie sei das Risiko, an Covid-19 zu sterben, sehr viel höher.