Nach der Prüfung sehr seltener Fälle von Hirnvenenthrombosen hat die EU-Arzneimittelbehörde (EMA) grünes Licht für den Corona-Impfstoff des US-Herstellers Johnson & Johnson gegeben. Allerdings könne der Wirkstoff tatsächlich in sehr seltenen Fällen Blutgerinnsel auslösen, teilte die EMA am Dienstag in Amsterdam mit. In Österreich wird sich das Nationale Impfgremium Ende der Woche mit den EMA-Empfehlungen befassen.

Nachdem in den USA bei rund sieben Millionen Impfungen sechs Fälle von Blutgerinnseln und ein Todesfall bekannt geworden waren, wurden Impfungen mit diesem Präparat in  Ländern wie etwa  Schweden, Dänemark, Italien und den Niederlanden vorläufig ausgesetzt. Der Hersteller hatte den EU-Staaten auch konkret empfohlen, bereits gelieferte Dosen vorerst nicht zu nutzen.

Auch in Österreich wird das Johnson & Johnson-Vakzin derzeit nicht verimpft: 16.800 Dosen, die in der Vorwoche eingetroffen sind, liegen noch beim Großhandel und wurden bisher nicht an die Impfstellen ausgeliefert. Auswirkungen auf den heimischen Impfplan hat das laut Gesundheitsministerium kaum, da dieses Vakzin "aktuell eine untergeordnete Rolle spielt". Der Schwerpunkt liege derzeit vor allem bei den mRNA-Impfstoffen. Das sind Biontech/Pfizer und Moderna. Johnson & Johnson würde sich aber aufgrund der einfacheren Handhabung - es genügt ein Stich für die Vollimmunisierung, die Logistik ist unkompliziert - "vor allem für schwerer erreichbare Zielgruppen eignen", hielt das Ministerium fest.

Janssen Austria - die Österreich-Niederlassung von Janssen, der pharmazeutischen Unternehmenssparte von Johnson & Johnson - wies am Dienstag in einer Presseaussendung darauf hin, die Sicherheit und das Wohlbefinden der Geimpften habe "oberste Priorität". Folglich unterstütze man die Prüfung möglicher, seltener Nebenwirkungen, um in diesen Fällen eine korrekte Diagnose, angemessene Behandlung und beschleunigte Berichterstattung sicherzustellen. Man glaube weiterhin "an das positive Nutzen-Risiko-Profil unseres Impfstoffs". Johnson & Johnson hat der EU die Lieferung von 200 Millionen Impfdosen im Jahr 2021 vertraglich zugesagt. Nach der EMA-Entscheidung will das Unternehmen die Markteinführung seines Corona-Impfstoffes in Europa daher nun auch rasch fortsetzen.

Es ist bereits das zweite Mal, dass die EMA nach der Zulassung einen Corona-Impfstoff erneut prüft. Auch bei dem Wirkstoff des schwedisch-britischen Herstellers AstraZeneca hatte es Hirnvenenthrombosen gegeben, vor allem bei jüngeren Frauen. Die Fälle bei dem Johnson-Präparat seien denen bei dem Covid-19-Impfstoff von AstraZeneca sehr ähnlich, stellten nun auch die Experten fest.

Auch im Fall des AstraZeneca-Präparates hatte die EMA an ihrer Bewertung festgehalten, dass der Impfstoff sicher sei. Die Blutgerinnsel waren bei etwa einer Person von 100.000 aufgetreten. Doch einige Staaten entschieden sich dafür, nur noch Personen über 60 Jahre mit AstraZeneca zu impfen. Österreich hat weiterhin dieses Vakzin ohne Einschränkungen verimpft.

Alle mit Nebenwirkungen

In Österreich haben bei über zwei Millionen Immunisierungen bisher 256 Personen in zeitlicher Nähe zu einer Covid-19-Impfung einen Spitalsaufenthalt gebraucht oder einen solchen verlängert. Insgesamt sind dem Bundesamts für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) bisher 67 Todesfälle in zeitlicher Nähe zu einer Impfung gegen Covid-19 bekannt, wie die Behörde vergangene Woche bekannt gab: 60 nach einer Immunisierung mit Biontech/Pfizer, drei bei Moderna und vier bei AstraZeneca.