Der Mainzer Biotechkonzern Biontech rechnet mit einer baldigen Zulassung seines Corona-Impfstoffes für Kinder. "Wir haben die Studiendaten für die 12- bis 15-Jährigen in den USA für die bedingte Zulassung eingereicht, in Europa sind wir in den letzten Zügen vor der Einreichung", sagte Biontech-Gründer und -Chef Ugur Sahin dem "Spiegel".

Am kommenden Mittwoch solle bei der europäischen Arzneimittelbehörde EMA eine Zulassung für Kinder ab zwölf Jahren beantragt werden. Die ersten Kinder und Jugendlichen könnten dann im Falle einer Genehmigung ab Juni geimpft werden, wie eine Biontech-Sprecherin bestätigte. Gesundheitsminister Jens Spahn sagte am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Berlin: "Spätestens in den Sommerferien werden wir die über Zwölfjährigen impfen können, wenn die Zulassung da ist." Er rechne mit einer "zügigen Zulassung".

Der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, sagte bei der Pressekonferenz, die Corona-Fälle bei Kindern hätten zuletzt zugenommen. "Kinder tragen auf jeden Fall zum Infektionsgeschehen bei." Auch wenn es bei infizierten Kindern meist weniger schwere Krankheitsverläufe gebe, zeigten Studien, dass auch bei ihnen sogenannte Long-Covid-Symptome auftreten können. Laut Situationsbericht des RKI vom Dienstag lag die Sieben-Tage-Inzidenz bei den zehn- bis 14-Jährigen in der vergangenen Woche bei 234, bei den Fünf- bis Neunjährigen bei 224 und bei den Null- bis Vierjährigen bei 141. Bei den bereits in der EU zugelassenen Corona-Vakzinen vergingen zwischen Antrag und Zulassung einige Wochen. Anfang April hatten die Impfstoffpartner Biontech und Pfizer die Notfallzulassung für die Altersgruppe der 12- bis 15-Jährigen in den USA eingereicht. In der EU ist der Impfstoff bisher für Menschen ab 16 Jahren zugelassen.

Studienergebnisse für Fünf-bis Zwölfjährige im Juli

Die Mainzer und der US-Konzern testen inzwischen das Vakzin auch bei Kindern ab dem sechsten Lebensmonat bis zum 11. Lebensjahr, im März wurden die ersten Kinder in dieser Studie geimpft. "Im Juli könnten erste Ergebnisse für die Fünf- bis Zwölfjährigen, im September für die jüngeren Kinder vorliegen, die Auswertung dauert etwa vier bis sechs Wochen", sagte Sahin. "Wenn alles gut geht, können wir, sobald die Daten ausgewertet sind, in verschiedenen Ländern den Antrag auf Zulassung des Impfstoffs für alle Kinder der jeweiligen Altersgruppe einreichen."

Ende März hatten Biontech und Pfizer von sehr hohen Antikörperantworten aus der Zulassungsstudie bei 12- bis 15-Jährigen berichtet. Der Impfstoff sei gut vertragen worden und habe eine Wirksamkeit von 100 Prozent gegen Covid-19 geboten. Pfizer-Chef Albert Bourla hatte die Hoffnung geäußert, vor Beginn des nächsten Schuljahres mit dem Impfen dieser Altersgruppe beginnen zu können.

Prinzip der Boten-RNA-Technologie

Der Zwei-Dosen-Impfstoff von Biontech und Pfizer beruht wie das Vakzin des US-Herstellers Moderna auf der sogenannten Boten-RNA-Technologie (mRNA). Diese nutzt das Nachrichtensystem des menschlichen Körpers, um Zellen in Fabriken zur Krankheitsbekämpfung zu verwandeln. Am Donnerstag kündigte Moderna an, im kommenden Jahr bis zu drei Milliarden Dosen seines Vakzins bereitzustellen. Für das laufende Jahr hob Moderna die Lieferprognose auf 800 Millionen bis eine Milliarde Dosen an von bislang 700 Millionen. (reuters)